Christoph Links: Verschwundene Verlage – Ein unbekanntes Kapitel ostdeutscher Kulturgeschichte • im Gespräch mit Steffen Mensching
Stadtbibliothek Rudolstadt
Dienstag, 16. Juni 2026 von 19:00 bis 20:30
In jahrelanger Recherche gelang es Links, Dokumente zu allen 150 verschwundenen Verlagen, darunter auch einige Thüringer Verlage, zu finden und deren Firmengeschichte zu rekonstruieren
Ende der DDR gab es nur noch 78 zugelassene Verlage, obwohl von der Sowjetischen Militäradministration nach 1945 mehr als 200 eine Genehmigung erhalten hatten. Der Verlagshistoriker Christoph Links hat die Geschichte von 150 verschwundenen Verlagen recherchiert und geht in seinem Buch der Frage nach, warum und wie sie verschwanden. Wurden sie vom Staat aus politischen Gründen enteignet, steuerrechtlich zum Aufgeben gezwungen, sind sie in den Westen abgewandert, haben sie aus eigenem Antrieb aufgegeben oder wurden sie gegen ihren Willen fusioniert? Dahinter steht die grundsätzliche Frage, mit welchen Mitteln und Methoden die SED-Führung im Bereich der Kulturwirtschaft agierte, wie sie geistige und wirtschaftliche Konkurrenz aus dem Wege räumte, um für die bevorzugten Firmen finanziell ertragreiche Monopolstellungen zu schaffen.
Prominente Abgänge aus Ostdeutschland nach 1945 sind: Baedeker-Reiseführerverlag, Verlag des Börsenvereins, Büchergilde Gutenberg, Drei Masken-Theaterverlag, Hansa-Musikverlag, Harrassowitz-Fachverlag, Felix Meiner-Wissenschaftsverlag, Niemeyer-Hochschulschriften, Steinkopf-Medizinverlag, Vogel-Fachkommunikation.
Bereits 2009 hatte Links das vielbeachtete Buch „Das Schicksal der DDR-Verlage“ veröffentlicht, zu dem Jens Bisky folgendes schrieb: „Christoph Links meidet in seinem detaillierten, materialreichen Überblickswerk den Ton der Anklage, findet aber deutliche Worte für die Treuhandanstalt, die auf raschen Verkauf setzte, ohne sich um die Eigenarten der Branche zu kümmern.“
www.christoph-links.de/
Veranstalter: Stadtbibliothek Rudolstadt
Schulplatz 13, 07407 Rudolstadt