Vom Prediger zum Porzellanpionier
99 Predigten hatte Georg Heinrich Macheleid gehalten. Dann entschied er sich gegen ein Pfarramt. Sein Lebenswerk sollte aus Erde und Feuer entstehen: Porzellan. Was in Meißen als streng gehütetes Geheimnis bewahrt wurde, wollte er mit Rohstoffen seiner Thüringer Heimat selbst herstellen. 1760 gelang ihm der Durchbruch. Doch eine weitere Frage folgte: Wie wurde aus einer Entdeckung ein Unternehmen, das bestehen konnte?
Ein Geheimnis im Stein
Macheleid, am 16. Oktober 1723 in Cursdorf geboren, war der Sohn eines Laboranten. In seiner Heimat wurden Heilmittel hergestellt und gehandelt; der Umgang mit pflanzlichen und mineralischen Stoffen gehörte zum Erwerbsleben. Er besuchte das Rudolstädter Gymnasium und studierte in Jena Theologie. Daneben hörte er naturwissenschaftliche Vorlesungen. Nach dem Abschied von der geistlichen Laufbahn verband er dieses Wissen mit den praktischen Erfahrungen seiner Herkunft.
Eine Überlieferung erzählt von einem reisenden Händler, dessen weißer Streusand Macheleid auf die entscheidende Spur brachte. Beim Brennen verdichtete sich die Probe, ohne zu Glas zu werden. Im Rinnetal bei Königsee fand er schließlich einen mürben, kaolinhaltigen Sandstein. Das unscheinbare Gestein barg einen Grundstoff für das begehrte Porzellan.
Bis daraus brauchbare Gefäße wurden, mussten Rohstoffe zerkleinert, geschlämmt, gemischt und gebrannt werden. Macheleid experimentierte in Sitzendorf und nutzte zeitweise die Öfen der Glashütte Glücksthal. 1762 hielt er es auf 23 Folioseiten fest.
Die Erfindung braucht einen Markt
Fürst Johann Friedrich von Schwarzburg-Rudolstadt gewährte ihm 1760 das Privileg zur Porzellanherstellung. Die erste Werkstatt entstand an der Mankenbacher Mühle in Sitzendorf. Bald zeigte sich jedoch, wie sehr der Standort die Zukunft bestimmte: Im engen Schwarzatal waren Rohstoffe schwer heranzuschaffen und zerbrechliche Waren mühsam abzutransportieren.
1762 zog die Produktion nach Volkstedt vor die Tore Rudolstadts. Hier waren die Verkehrswege günstiger; die Nähe zur Residenz erleichterte den Kontakt zum Hof. Eine Gesellschaft brachte das Kapital auf, Macheleid leitete die Fabrikation. Aus den Öfen kamen Geschirre und erste kleine Figuren.
Doch technisches Können allein füllte keine Kasse. Ausschuss beim Brennen und Schwierigkeiten im Vertrieb belasteten den Betrieb. 1767 übernahm der Erfurter Kaufmann Christian Nonne die Manufaktur als Pächter und erschloss neue Märkte. Macheleid zog sich aus der Werkleitung zurück. Eine lebenslange fürstliche Rente sicherte ihn ab; bis 1784 blieb er Gesellschafter.
Erde für den Alltag
Seine Arbeit mit keramischen Stoffen war damit nicht beendet. Ab 1790 fertigte er in Schaala Fayencen und keramische Brunnenrohre. Nach dem feinen Tafelgeschirr rückte die Wasserversorgung in den Mittelpunkt: Auch dafür ließ sich gebrannte Erde nutzen.
Zeitweise lebte Macheleid in einem Borkenhäuschen auf dem Trippstein über Schwarzburg. Zuletzt wohnte er im Dorf, wo er am 7. März 1801 starb. Sein Porzellan hatte längst einen dauerhaften Ort gefunden: Volkstedt. Dort wurde aus der Suche eines ehemaligen Predigers ein Handwerk, das Rudolstadt über Generationen prägen sollte. Bis heute wird in der Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur Porzellan produziert.