Es gibt Menschen, die eine Stadt nicht nur bewohnen, sondern ihr Gesicht mitprägen. Waldemar Klinghammer gehörte zu ihnen. Jurist von Beruf, Mundartdichter aus Leidenschaft und engagierter Bürger aus Überzeugung, verband er in seinem Leben vieles von dem, was Rudolstadt um 1900 ausmachte: Bildungsbürgertum, Heimatverbundenheit, Vereinsleben und den Wunsch, der eigenen Stadt etwas Bleibendes zu hinterlassen.
Vom Gerichtssaal zur Mundart
Geboren wurde Klinghammer am 21. Mai 1857 in Rudolstadt. Nach dem Jurastudium in Leipzig kehrte er in seine Heimatstadt zurück und ließ sich 1879 als Rechtsanwalt nieder. Über mehr als fünf Jahrzehnte übte er seinen Beruf aus, erwarb hohes Ansehen und erhielt den Titel eines fürstlichen Hofrats.
Doch Akten und Paragrafen waren nur eine Seite seines Lebens. Die andere gehörte der Sprache – genauer: dem „Rolschter Dialekt“. Klinghammer war Großneffe des bekannten Mundartdichters Anton Sommer und führte dessen Tradition auf eigene Weise fort. In Gedichten, Geschichten und Schwänken hielt er den Alltag, die Eigenheiten und den Humor seiner Heimat fest. Sein mehrbändiges Werk „Mei Rudelschtadt“ wurde zu einem literarischen Gedächtnis der Stadt. Auch „Rolschter Spaßchen“ und „Thüringer Schnorrgieken“ erzählen von einer Welt, die längst vergangen ist und gerade deshalb bis heute lebendig wirkt.
Einer, der Dinge anstieß
Klinghammer schrieb jedoch nicht nur über Rudolstadt – er gestaltete es mit. 1884 gehörte er zu den Gründern des „Rudolstädter Abends“, einer bürgerlichen Gesellschaft, die Geselligkeit und Kultur mit konkretem Engagement für die Stadt verband.
Sein sichtbarstes Vermächtnis steht auf dem Zeigerheimer Berg. Ende 1898 brachte Klinghammer die Idee zum Bau einer Bismarcksäule auf. Er leitete den Denkmalausschuss, organisierte Spenden und koordinierte das Vorhaben. Den Entwurf lieferte der Architekt Gottwalt Schinzel, gebaut wurde durch den Rudolstädter Maurermeister Oscar Worm. Bereits am 1. April 1899 konnte der Turm eingeweiht werden – als erste tatsächlich errichtete Bismarck-Feuersäule im Deutschen Reich. Klinghammer selbst übernahm zunächst das Amt des Turmwarts.
Ein Stück Rudolstädter Selbstverständnis
Zu seinem 70. Geburtstag ernannte ihn die Stadt 1927 zum Ehrenbürger und würdigte damit seine besonderen Verdienste um die kulturelle Entwicklung Rudolstadts. Vier Jahre später, am 1. April 1931, starb Waldemar Klinghammer in seiner Heimatstadt.
Geblieben sind seine Texte, seine Lebenserinnerungen im Stadtarchiv, eine Straße, die seinen Namen trägt – und ein Turm, der nach Jahrzehnten des Verfalls wieder sichtbar geworden ist. Vor allem aber blieb etwas, das sich schwerer in Stein fassen lässt: Klinghammers Blick auf Rudolstadt. Humorvoll, heimatverbunden, manchmal augenzwinkernd – und immer getragen von der Überzeugung, dass eine Stadt von denen lebt, die sich für sie interessieren und sich für sie einsetzen.