Urlaub war für Gustav Frenzel offenbar eine ungewohnte Sache. Jahrelang verzichtete er darauf. Erst 1889 bat er um freie Zeit, um seinen Sohn in eine Lehrstelle zu bringen. Eine kleine Begebenheit, die viel über einen Mann erzählt, dessen Lebenswerk sich zwischen Kassenbüchern, Amtsgeschäften und der Verantwortung für seine Heimatstadt entfaltete. Mehr als 43 Jahre stand er in Rudolstadts Diensten. Als sich ihm die Möglichkeit bot, an die Spitze der Stadt zu treten, wollte er nicht kandidieren.
Vom Hilfsschreiber zum Kassenchef
Sein Weg ins Rathaus führte über die Schreibstube. Am 2. April 1849 als Sohn des fürstlichen Wasserträgers Johann Friedrich Heinrich Frenzel und dessen Frau Louise geboren, besuchte Georg Wilhelm Gustav Frenzel zunächst die Brünner’sche Privatschule, dann das Rudolstädter Gymnasium. 1864 verließ er es und wurde Hilfsschreiber im fürstlichen Rent- und Steueramt.
Im Dezember 1868 wählte ihn der Stadtrat für ein Jahr zum städtischen Kassenbeamten mit der Befugnis zur Kassenkontrolle. Am 1. März 1869 trat er als Kassenassistent an. Auffassungsgabe, Gewissenhaftigkeit und eine ehrliche, zurückhaltende Art brachten ihm Anerkennung ein. Ein Jahr später wurde er fest angestellt. 1875 übernahm er die Geschäfte des Kassenverwalters, Ende 1876 die Stelle des Hauptkassenrendanten. Ihm waren nun die Finanzen der Stadt anvertraut.
Verantwortung ohne großes Aufheben
Doch Frenzels Wirken blieb nicht auf die Kasse beschränkt. 1895 wählte man ihn zum Zweiten Bürgermeister, 1907 erneut. Seit Januar 1899 war er zusätzlich Standesbeamter. 1902 führte er vertretungsweise die Geschäfte des Ersten Bürgermeisters. Als nach dem Tod des Oberbürgermeisters dessen Stelle längere Zeit unbesetzt blieb, übernahm Frenzel diese Aufgabe von 1907 bis 1908 abermals.
Er konnte die Stadt also führen. Als man ihm schließlich antrug, das Amt dauerhaft zu übernehmen, ließ er sich dennoch nicht als Kandidat aufstellen. Die überlieferte Begründung war seine Bescheidenheit. Verantwortung zu tragen und nach einem Amt zu streben waren für ihn offenbar zweierlei.
Wie sehr man ihn schätzte, zeigte sein 40. Dienstjubiläum am 1. März 1909. Im Rathaussaal erhielt er das Fürstliche Ehrenkreuz III. Klasse. Die Stadt schenkte ihm eine goldene Glashütter Taschenuhr mit Widmung. Die passende Kette stiftete der Stadtrat persönlich: ein Zeichen gemeinsamer Arbeit und Freundschaft.
Ein kurzer Lebensabend
Seine Gesundheit hielt der jahrzehntelangen Beanspruchung nicht stand. 1911 musste Frenzel für längere Zeit eine Heilstätte aufsuchen. Ohne Aussicht auf dauerhafte Besserung bat er im Mai 1912 um seine Pensionierung zum 1. September. Der Stadtrat bewilligte ihm einstimmig das bisherige Gehalt als Pension. Am 17. Oktober folgte die Ehrenbürgerwürde.
Viel Zeit blieb ihm nicht. Am 24. April 1913 starb Gustav Frenzel. Seine Frau Flora, mit der er seit 1872 verheiratet war und sieben Kinder hatte, hatte ihm über Jahrzehnte den Rücken freigehalten. Während seiner Beisetzung auf dem Ostfriedhof wehten am Rathaus die Flaggen auf Halbmast. Die Stadt ehrte einen Mann, der ihr lange Halt gegeben hatte.