Vor dem Gerichtsgebäude in der Rudolstädter Marktstraße ist heute eine Gedenkstele eingeweiht worden, die an 13 Jugendliche aus Schwarza erinnert, die im Jahr 1946 durch ein sowjetisches Militärtribunal zu Unrecht verurteilt wurden. Mit der Stele entsteht ein sichtbarer Ort des Erinnerns an ein Kapitel der Nachkriegsgeschichte, das für die Betroffenen und ihre Familien mit großem Leid verbunden war.
Im Januar 1946 waren die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren durch die sowjetische Besatzungsmacht verhaftet worden. Am 27. Februar 1946 wurden sie im Rudolstädter Gerichtsgebäude wegen angeblicher „Werwolf“-Tätigkeiten, also einer unterstellten Beteiligung an nationalsozialistischen Sabotage- und Widerstandsaktionen im besetzten Gebiet, verurteilt. Drei der Jugendlichen erhielten die Todesstrafe und wurden am 14. Juni 1946 vermutlich im Hof des Gerichtsgebäudes erschossen. Die übrigen Jugendlichen wurden zu langjährigen Haftstrafen in Straflagern und Gefängnissen verurteilt. Ihre Verurteilungen wurden später als politisch motiviert und unbegründet bewertet. 1996 erfolgte die Rehabilitierung aller 13 Betroffenen.
Angestoßen wurde die Errichtung der Gedenkstele durch Dr. Frank-Eberhardt Wilde aus Rudolstadt, der sich intensiv mit den Schicksalen der Jugendlichen beschäftigt und die Erinnerung an sie wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt hat. Er war auch bei der Einweihung der Stele anwesend.
Die Stadt Rudolstadt hat die Initiative aufgegriffen und die Umsetzung begleitet. Die von Dr. Wilde zusammengetragenen Unterlagen und Forschungsergebnisse wurden durch Tobias Zober, Leiter des Stadtarchivs und der Historischen Bibliothek, historisch aufgearbeitet und zusammengefasst. Zudem wurde eine Sonderseite auf der städtischen Internetseite angelegt. Ein QR-Code auf dem Schild der Stele verweist direkt auf diese Seite und macht weiterführende Informationen dauerhaft zugänglich. Das Schild selbst erläutert die historischen Hintergründe und benennt die Jugendlichen, deren Schicksale mit dem Ort verbunden sind.
„Diese Stele ist ein Zeichen dafür, dass die Erinnerung an die 13 Jugendlichen aus Schwarza nicht verloren geht. Sie wurden zu Unrecht verurteilt, drei von ihnen verloren ihr Leben. Es ist unsere Verantwortung, ihre Namen sichtbar zu machen und an das erlittene Unrecht zu erinnern“, erklärte Bürgermeister Jörg Reichl anlässlich der Einweihung.
Mit dem neuen Erinnerungsort vor dem früheren Ort der Verurteilung wird die Geschichte der Jugendlichen dauerhaft im öffentlichen Raum verankert. Zugleich lädt die Stele dazu ein, sich mit den historischen Hintergründen, den Folgen politischer Verfolgung und der Bedeutung rechtsstaatlicher Grundsätze auseinanderzusetzen. Die Stadt Rudolstadt dankt Dr. Frank-Eberhardt Wilde für seine Initiative sowie allen Beteiligten, die zur Umsetzung beigetragen haben.