Der „Begegnungsraum Rudolstadt“ bringt Einrichtungen, Unternehmen, Vereine, Eltern und weitere Partner zusammen, um Bildungsangebote für Kinder und Familien in Rudolstadt gemeinsam weiterzuentwickeln. Gestern stellte das Bündnis seine Arbeit im Rahmen eines Pressegesprächs bei der Ankerstein GmbH vor. Anlass war der Vor-Ort-Besuch von Fachleuten des Deutschen Kita-Preises. Der Begegnungsraum gehört bundesweit zu den acht Finalisten in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“.
Ausgangspunkt des Bündnisses ist der christliche Kindergarten „Baum des Lebens“. Dort entstand aus der täglichen pädagogischen Arbeit und der Beteiligung der Kinder die Idee, vorhandene Lernorte und Kompetenzen in Rudolstadt stärker miteinander zu verbinden. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Themen Kinder selbst beschäftigen. Über Kinderrat, Klassenrat, Elternarbeit und den direkten Austausch werden ihre Wünsche aufgenommen und gemeinsam mit passenden Partnern in konkrete Angebote übersetzt.
Die Arbeit des Begegnungsraums gliedert sich in drei Bereiche: Bildung und Vernetzung, Inklusion sowie Nachhaltigkeit. Aus ersten Kooperationen, unter anderem im Rahmen des Projekts „Faire Kita“, entstand seit 2024 schrittweise ein wachsendes Netzwerk. Heute beteiligen sich unter anderem der Diakonieverein Rudolstadt e.V., das Lebenshilfewerk Rudolstadt Ilmenau e.V., die KomBus GmbH, die Stadtbibliothek Rudolstadt, die Ankerstein GmbH, regionale Erzeuger und Händler, wie den Rudolstädter Bioladen oder einen Biobauernhof, kirchliche Akteure sowie weitere Initiativen und Vereine. Auch das Netzwerk „Neue Nachbarn“, der Naturschutzverein „Safe Nature“ und das Schiller-Theater Rudolstadt erweitern inzwischen die Möglichkeiten des Bündnisses.
Wie die Zusammenarbeit praktisch funktioniert, wurde beim Pressegespräch an mehreren Beispielen deutlich. Interessieren sich Kinder etwa dafür, wie Kartoffeln wachsen oder wo Lebensmittel herkommen, können regionale Landwirtschaft, Bioladen, Eltern und weitere Partner gemeinsam ein Bildungsangebot entwickeln. Die Stadtbibliothek schafft mit Vorleseangeboten und Bilderbuchkino Zugänge zu Literatur, die KomBus GmbH ermöglicht praktische Erfahrungen rund um den öffentlichen Nahverkehr und unterstützt bei Fahrten zu Lernorten. Weitere Projekte greifen Themen wie Umweltbildung, Upcycling, Ernährung oder handwerkliches Lernen auf.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Inklusion. Gemeinsam mit dem Lebenshilfewerk Rudolstadt Ilmenau e.V. arbeitet das Bündnis an einem Pilotprojekt, das Beschäftigten aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung eine Weiterbildung zur Assistenzkraft für Kindertageseinrichtungen ermöglichen soll. Theorie, praktische Ausbildung im Kindergarten und eine abschließende Prüfung durch eine pädagogische Fachschule werden dafür miteinander verbunden. Bereits seit mehr als einem Jahr unterstützt eine Mitarbeiterin aus dem Lebenshilfewerk den Kindergarten sowohl im hauswirtschaftlichen als auch im pädagogischen Bereich.
Für die Stadt Rudolstadt liegt die Stärke des Projektes insbesondere in der Vielfalt der beteiligten Akteure. Der Begegnungsraum versteht sich nicht als Angebot einer einzelnen Einrichtung, sondern soll sich langfristig über den Kindergarten hinaus entwickeln. Ziel ist es, vorhandene Ressourcen in der Stadt sichtbar und für Kinder und Familien besser zugänglich zu machen.
Ein nächster wichtiger Schritt ist für den 9. Oktober 2026 geplant. Von 15 bis 18 Uhr lädt das Bündnis zum Bildungs- und Entdeckungstag „Wir für unsere Umwelt“ in den Lesegarten Rudolstadt ein. Dort sollen sich die Partner vorstellen und Familien Angebote zu Nachhaltigkeit, Umweltbildung und Müllvermeidung kennenlernen. Parallel möchte das Bündnis den Bedarf der Familien und weiterer Interessierter erfassen, um seine künftige Arbeit daran auszurichten. Geplant sind unter anderem ein Upcyclingprojekt, Bastelangebote und die Möglichkeit, Haferflocken selbst herzustellen.
Der heutige Besuch war zugleich Bestandteil des Auswahlverfahrens für den Deutschen Kita-Preis 2026. Fachleute führten Interviews mit Beteiligten und gestalteten am Nachmittag einen Workshop, in dem das Bündnis seine bisherige Arbeit reflektiert und Perspektiven für die weitere Entwicklung erarbeitet. Auf Grundlage des Besuchs entsteht ein Bericht für die Jury. Die Entscheidung über die Preisträger fällt im November. Bekannt gegeben werden die Gewinner bei der feierlichen Preisverleihung am 26. November 2026 in Berlin. Moderiert wird die Veranstaltung von Barbara Schöneberger.
Der Deutsche Kita-Preis wird seit 2018 vergeben und würdigt besondere Qualität in der frühen Bildung. Insgesamt gingen 2026 rund 620 Bewerbungen ein. Der Begegnungsraum Rudolstadt war zunächst unter den 15 Nominierten seiner Kategorie und schaffte anschließend den Sprung unter die acht Finalisten. Der Preis ist insgesamt mit 110.000 Euro dotiert.