Am Sonntag, 16. August 2026, wurde auf den Galeriebergen in Cumbach das 140-jährige Bestehen des Marienturms gefeiert. Der eigentliche Geburtstag des Rudolstädter Wahrzeichens war bereits am Samstag: Am 15. August 1886 wurde der von Brauereibesitzer Carl Becker errichtete Turm feierlich eingeweiht.
Der Einladung der Marienturmfreunde e.V. waren neben Bürgermeister Jörg Reichl auch Landrat Marko Wolfram sowie zahlreiche Gäste gefolgt. Die Feierlichkeiten begannen am Sonntagmorgen um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, den Pfarrer Michael Thurm hielt. Im Anschluss würdigte Bürgermeister Jörg Reichl in seinem Grußwort die besondere Geschichte des Marienturms und seine Bedeutung für Rudolstadt.
"Der Marienturm war nie dafür gedacht, nur aus der Ferne betrachtet zu werden. Er ist ein Ort, den man erleben muss", sagte Bürgermeister Jörg Reichl. "Menschen verbinden mit diesem Turm heute ganz persönliche Erinnerungen - an eine Wanderung, eine Feier, einen besonderen Abend oder eben an die eigene Hochzeit."
Carl Becker ließ den Marienturm 1886 errichten und widmete ihn seiner Frau Marie. Gleichzeitig war der Turm von Beginn an als Ort für Wanderer, Familien, Sänger und Ausflügler gedacht. Schon die Einweihung am 15. August 1886 wurde mit Musik, Fahnen und Gesang als großes Volksfest begangen.
Heute wird diese ursprüngliche Idee auf zeitgemäße Weise fortgeführt. Der Marienturm ist Ausflugsziel, Veranstaltungsort und zugleich einer der besonderen Trauorte des Rudolstädter Standesamtes. Auch Übernachtungen im Turm und besondere gastronomische Angebote sind möglich.
Für Bürgermeister Reichl ist diese Entwicklung ein Beispiel dafür, wie historische Bausubstanz erhalten und zugleich sinnvoll genutzt werden kann: "Ein historisches Gebäude wird nicht einfach konserviert. Es bekommt neues Leben."
Dabei war die Geschichte des Marienturms nicht immer von öffentlicher Nutzung geprägt. Seit 1923 befindet er sich im Eigentum der Stadt Rudolstadt. Von 1961 bis 1990 wurde der Turm als Standort für Funktechnik und einen Fernsehumsetzer genutzt und war für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Heute ist er wieder das, als was er ursprünglich gedacht war: ein offener Ort der Begegnung.
Eine zentrale Rolle bei dieser Entwicklung spielen die Marienturmfreunde e.V. und die vielen ehrenamtlich Engagierten. Bürgermeister Jörg Reichl dankte ihnen im Namen der Stadt ausdrücklich für ihren Einsatz. "Eine Stadt lebt nicht allein von ihren Gebäuden und ihrer Geschichte. Sie lebt davon, dass Menschen Verantwortung für diese Geschichte übernehmen und daraus etwas für die Gegenwart machen."
Auch Landrat Marko Wolfram würdigte das Engagement des Fördervereins und sagte den Marienturmfreunden im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten weitere Unterstützung zu.
Das Jubiläum wurde am Sonntag mit einem kleinen Volksfest bis in den späten Nachmittag fortgesetzt. Zum Programm gehörten unter anderem Musik, Führungen, Familienangebote und gastronomische Angebote. Die Kombus richtete für die Besucherinnen und Besucher einen Shuttle-Verkehr von der Bleichwiese zum Marienturm ein.
Die Stadt Rudolstadt dankt den Marienturmfreunden, allen Ehrenamtlichen und Unterstützern, die dazu beitragen, den historischen Turm zu erhalten und mit Leben zu füllen.