Es wurde ein ganzes Leben für die Textilforschung, das da am 1. September 1976 seinen Lauf nahm. Erste Etappe: Ausbildung zum Facharbeiter für chemische Produktion im damaligen Chemiefaserkombinat Schwarza. Zwei Jahre später der Facharbeiterbrief und die Abordnung an die Arbeiter- und Bauern-Fakultät nach Halle, um im Schnelldurchlauf fürs Auslandsstudium fitgemacht zu werden. Abitur und Tschechisch-Unterricht inklusive. 1983 – nach vier Jahren an der Technischen Universität Liberec – kehrte Gerald Ortlepp dann als frisch gebackener Diplom-Ingenieur für Textil und Konfektion, Spezialisierungsrichtung Spinnerei, zurück nach Schwarza und startete hier seine berufliche Karriere in der zentralen Forschungsabteilung des Chemiefaserkombinats. Nach dessen Zerschlagung zur Wendezeit gab es für ihn dank der Neugründung des TITK einen fast nahtlosen Übergang.
Er habe damals durchaus vor der Wahl gestanden, blickt Ortlepp zurück: „Gehst du in den Westen und verdienst Geld oder bleibst du hier und hast Spaß an der Arbeit.“ Entschieden hat er sich zum Glück für Letzteres. Und so konnte nun am TITK sein sehr seltenes Berufsjubiläum gewürdigt werden.
„Das ist nicht nur nicht alltäglich. Das ist etwas total Außergewöhnliches. Eine solche Ehrung ist im öffentlichen Dienst gar nicht mehr vorgesehen“, sagte Bürgermeister Jörg Reichl, der eigens zu diesem Anlass ans Forschungsinstitut in die Breitscheidstraße gekommen war. Im Gepäck einen Präsent-Beutel und eine handschriftliche Gratulation. Institutsdirektor Benjamin Redlingshöfer überreichte nach einem guten Tropfen und einer Prämie von 1.000 Euro noch eine nur selten vergebene TITK-Gedenkmünze – für den Numismatiker Gerald Ortlepp eine ganz besondere Freude.
Auch mit 67 arbeitet der Textilingenieur, der bereits viele Jahre in Uhlstädt lebt, täglich noch mit Leidenschaft an spannenden Projekten und lernt weiterhin dazu, wie er stolz berichtet. Sein Arbeitsschwerpunkt sind textile Halbzeuge, die als Faserverbundwerkstoffe zum Einsatz kommen – darunter hochmoderne Leichtbau-Werkstoffe für einen großen europäischen Flugzeugbauer. Am Jubiläumstag selbst hat Ortlepp erst wieder ein Angebot für einen Industriekunden geschrieben.
Inzwischen nimmt er aber wohl tatsächlich langsam Kurs auf den wohlverdienten Ruhestand. Die Arbeitszeit ist bereits auf eine Drei-Tage-Woche reduziert. Und im nächsten Jahr soll nun wirklich Schluss sein. Doch dazu hakte TITK-Chef Redlingshöfer mit einem Augenzwinkern ein: Wenn ihm zu Hause langweilig werde, sei er auch in Zukunft jederzeit herzlich willkommen.