Gestern besuchten die Sternsingerinnen und Sternsinger das Rudolstädter Rathaus und überbrachten den traditionellen Segen “20*C+M+B+26” – “Christus Mansionem Benedicat” (“Christus segne dieses Haus”) – an Bürgermeister Jörg Reichl und die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung.
Mit Kronen und farbenfrohen Gewändern zogen die Mädchen und Jungen vom CentrO (Offene Kinder- und Jugendarbeit der katholischen Kirche) feierlich in das Rathaus ein. Sie sangen Lieder, trugen ein Gedicht vor und erinnerten daran, dass Sternsingen weit mehr ist als ein Brauch: Es verbindet den Segenswunsch mit konkreter Hilfe für Kinder weltweit.
Bürgermeister Jörg Reichl dankte den Kindern und Jugendlichen für ihren Einsatz: „Ihr bringt den Segen in die Häuser und macht zugleich auf die Situation von Kindern aufmerksam, die Schutz und Chancen brauchen. Dieses Engagement verdient Anerkennung und Unterstützung.“
Bürgermeister Reichl unterstützte die Aktion mit einer privaten Spende in die Sammelbüchse der Sternsinger, um die Projekte der Aktion Dreikönigssingen zu fördern.
Die Aktion Dreikönigssingen 2026 steht unter dem Motto „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum weltweit weiterhin Kinder arbeiten müssen, statt eine Schule zu besuchen. Als Kinderarbeit gelten Einkommen schaffende Tätigkeiten, für die Kinder zu jung sind, die sie vom Schulbesuch abhalten oder die ihrer Gesundheit und Entwicklung schaden. Ausbeuterische Kinderarbeit verletzt Kinderrechte und ist international verboten. Nicht darunter fällt, wenn Kinder gelegentlich im Haushalt helfen oder nach der Schule eine zeitlich begrenzte, ungefährliche Tätigkeit übernehmen.
Trotz des internationalen Ziels, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, ist dies nicht gelungen. Weltweit arbeiten nach wie vor 138 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren, 54 Millionen davon unter besonders gesundheitsschädlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Produkte aus Kinderarbeit gelangen auch nach Deutschland in den Handel – ein Umstand, der zeigt, dass das Thema nicht fern ist.
Partnerorganisationen der Sternsinger setzen sich in vielen Ländern dafür ein, Kinder aus Arbeit zu befreien und ihnen Bildung zu ermöglichen. Sie bieten Förderkurse zur Wiedereinschulung an, unterstützen Schulabschlüsse etwa an Abendschulen und stärken die Aufklärung über Kinderrechte in Gemeinden, Unternehmen und Behörden. Ziel ist es, den Kreislauf aus Armut, Kinderarbeit und fehlenden Zukunftschancen zu durchbrechen.
Beispielhaft richtet die Aktion 2026 den Blick auf Projekte in Bangladesch: Dort lebt ein großer Teil der Bevölkerung in Armut, viele Kinder brechen die Grundschule ab, um zum Familieneinkommen beizutragen. Zwei Projektansätze zeigen, wie Spenden wirken können: Die Caritas Bangladesch unterstützt benachteiligte Kinder und Jugendliche, sensibilisiert Eltern für das Recht auf Bildung und stärkt Zukunftsperspektiven. In Westbangladesch befreit die Abdur Rashid Khan Thakur Foundation (ARKTF) Kinder und Jugendliche aus gesundheitsschädlichen Arbeitsverhältnissen und begleitet sie zurück in Schule oder Ausbildung.
Mit ihrem Besuch im Rudolstädter Rathaus haben die Sternsingerinnen und Sternsinger den Segen überbracht und zugleich die Botschaft der Solidarität weitergetragen. Das Motto 2026 erinnert daran, wie zentral das Kinderrecht auf Schutz und Bildung ist – und dass gemeinsames Engagement konkrete Veränderungen möglich macht.