Die Stadt Rudolstadt trauert um Zdenka Kaplan. Die slowenische Zeitzeugin, frühere Zwangsarbeiterin und langjährige Ansprechpartnerin der Stadt für die Erinnerungsarbeit ist Anfang Juni im 96. Lebensjahr verstorben. Bereits am 17. Januar 2026 war ihre Schwester Ivica Žnidaršič im Alter von 91 Jahren gestorben. Sie war über viele Jahre Präsidentin des Vereins der Vertriebenen Sloweniens 1941–1945.
Beide Frauen haben die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zwangsarbeit in Rudolstadt und den Austausch zwischen Rudolstadt und Slowenien nachhaltig geprägt.
Zdenka Kaplan, in Rudolstadt vielen als „Schwester Stenka“ bekannt, wurde 1941 als Kind gemeinsam mit ihrer Familie aus Bučka in Slowenien vertrieben. Über das Sammellager Rajhenburg kam die Familie nach Rudolstadt. Hier musste sie in verschiedenen Lagern leben und Zwangsarbeit leisten, unter anderem im Umfeld der damaligen Industrieanlagen. Auch Kinder waren von dieser Ausbeutung betroffen.
Dass diese Geschichte in Rudolstadt heute sichtbar ist, hängt eng mit dem Wirken von Zdenka Kaplan und Ivica Žnidaršič zusammen. Ende der 1990er-Jahre nahmen Vertreterinnen des Vereins der Vertriebenen Sloweniens Kontakt zur Stadt Rudolstadt auf. Der damalige Bürgermeister Dr. Hartmut Franz griff das Anliegen auf. Im Jahr 2000 wurde die Gräberanlage slowenischer Opfer auf dem Nordfriedhof hergerichtet und als würdiger Erinnerungsort gestaltet.
Aus diesem ersten Kontakt entwickelte sich ein Austausch, der über ein formales Gedenken hinausging. Slowenische Zeitzeuginnen und Zeitzeugen kamen nach Rudolstadt, besuchten den Nordfriedhof, ehemalige Lager- und Arbeitsorte sowie Gedenkstätten in Thüringen. Rudolstädter Vertreter reisten nach Slowenien. Auch Schülerinnen und Schüler setzten sich mit der Geschichte der Zwangsarbeit in der Stadt auseinander. Daraus entstand später der Verein „Zwangsarbeiterschicksale in Rudolstadt e.V.“.
„Zdenka Kaplan und Ivica Žnidaršič haben Rudolstadt mit einer Geschichte konfrontiert, die lange zu wenig gesehen wurde. Sie haben das mit großer Klarheit getan, aber auch mit einer Haltung, die Versöhnung möglich gemacht hat“, sagt Bürgermeister Jörg Reichl. „Dafür sind wir ihnen dankbar. Ihr Wirken bleibt für unsere Stadt Verpflichtung.“
Ivica Žnidaršič gehörte zu den prägenden Stimmen der slowenischen Vertriebenen. Sie setzte sich über Jahrzehnte für die Anerkennung des Leids der Deportierten sowie der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ein. 2022 erhielt sie den slowenischen Verdienstorden für ihren Einsatz für die Rechte der Vertriebenen und Opfer von Kriegsgewalt.
Zdenka Kaplan verband ihr ehrenamtliches Engagement mit einem langen Berufsleben im Gesundheitswesen. In der Region Novo Mesto war sie als leitende Krankenschwester und Hebamme vielen Menschen bekannt. Nach ihrer Pensionierung widmete sie sich verstärkt der historischen Dokumentation. Unter anderem veröffentlichte sie Arbeiten über slowenische Vertriebene, die während der Deportation im Ausland starben, und über die Pflege ihres Andenkens.
Die Stadt Rudolstadt wird das Andenken an Zdenka Kaplan und Ivica Žnidaršič bewahren. Die Pflege des Erinnerungsortes auf dem Nordfriedhof und die Zusammenarbeit mit slowenischen Partnern bleiben Teil der kommunalen Gedenkarbeit.