Mit dem Neujahrsempfang der Dreiklang-Städte Saalfeld/Saale, Rudolstadt und Bad Blankenburg ist am 9. Januar 2026 der erste gesellschaftliche Höhepunkt über die Bühne gegangen. Etwa 600 Gäste u.a. aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft, von der Kirche, aus Verwaltungen, Gewerkschaften, Handwerks- und Handelseinrichtungen, Dienstleistungen, Bildungseinrichtungen, Verbänden, Vereinen, Hilfsorganisationen etc. des „Städtedreiecks am Saalebogen“ kamen zusammen, um in Gemeinschaft und Verbundenheit das neue Jahr zu begrüßen.
Nach einer musikalischen Eröffnung durch die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt begrüßte Bad Blankenburgs Bürgermeister Thomas Schubert die zahlreichen Gäste: „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende“, zitierte er und richtete gleich mutig Wünsche an den Ehrengast Steffen Schütz, Thüringer Minister für Digitales und Infrastruktur: „Mein Amtskollege aus Rudolstadt würde sich wünschen, einen Radweg nach Weimar zu bekommen, mein Amtskollege aus Unterwellenborn würde sich freuen, wenn der Bau der Autobahnanbindung 281 Vogelschutz in diesem Jahr beginnen würde und wir in Bad Blankenburg würden uns sehr freuen, wenn der Bus- und Bahnknotenpunkt den erforderlichen Ausbau bekommen könnte, so dass das Städtedreieck an die Bahn perfekt angeschlossen wird“, so Bad Blankenburgs Bürgermeister Thomas Schubert.
Im Anschluss hielt der Thüringer Minister für Digitales und Infrastruktur Steffen Schütz die Festansprache und zeigte sich angesichts des Festprogrammes beeindruckt: „Schönheit, Kultur, Innovation – das gibt es nicht nur in den Städten entlang der A4, sondern ganz erheblich hier im Städtedreieck am Saalebogen“, so Minister Steffen Schütz. Er ging ein auf den Transformationsprozess nach der Wende und auf das Wegbrechen der Industrie, die Abwanderung junger Menschen, den Geburtenrückgang, u.a. und lobte: „Die positive Wirtschaftsbilanz, auf die wir heute stolz und selbstbewusst blicken, hat uns alle eine riesige Kraftanstrengung gekostet“. Er dankte allen, die „ein Vorankommen ermöglichen und den Saalebogen Heimat nennen“. Als Minister für Digitales und Infrastruktur versprach er „hartnäckiges Dranbleiben“ an den Themen Schulbau, ÖPNV, Wirtschaft, Verkehrsnetz und Digitalisierung, denn „wirtschaftliche Kraft, Mobilität und Kultur brauchen belastbare Infrastruktur und Digitalisierung“, erklärte der Minister. Er kündigte an, dass er den Glasfaserausbau im Städtedreieck weiter voranbringen will, dass alle drei Städte auch in Zukunft erheblich von Städtebaufördermitteln profitieren können, dass als Kompensation für den Rückzug der DB Fernverkehr aus dem Saaletal täglich bis zu 5 zusätzliche RE-Zugpaare für die Strecke Jena - Saalfeld bestellt und finanziert wurden, dass die Linie Erfurt - Arnstadt - Bad Blankenburg - Saalfeld als eine der ersten Linien im Freistaat ab Dezember 2028 auf emissionsfreie batterieelektrische Fahrzeuge umgestellt werden soll und dass für einen integrierten Taktfahrplan beim Straßenpersonennahverkehr zügig mit dem Bau der neuen Haltestelle „Schwarza Dreiklang“ gestartet werden soll. „Hartnäckiges Dranbleiben bleibt Parole der Stunde“, sagte Minister Steffen Schütz abschließend.
Saalfelds Bürgermeister Dr. Steffen Kania überbrachte die Wünsche für das neue Jahr und hob „die Leistungsbereitschaft, das Engagement und den Zusammenhalt hervor, die die drei Städte, den Landkreis und das Land im Kern ausmachen“. Er legte in seiner Rede den Fokus auf die Bewahrung der Demokratie als Gesellschafts- und Lebensform und zitierte den Soziologe Oskar Negt: „Demokratie ist die einzige Staatsform, die gelernt werden muss.“ Er führte aus, dass Demokratie nur existieren kann, wenn Bürgerinnen und Bürger sich aktiv beteiligen, die demokratischen Werte zu ihren eigenen machen, aber auch Fehlentwicklungen kritisieren. Seiner Wahrnehmung nach lässt die Bereitschaft, Grundgesetz und Thüringer Verfassung mitzutragen, nach: Der gegenseitige Respekt und die Kompromissfähigkeit schwinden, der eigene Standpunkt gilt oft als einzig zulässiger. „Doch gerade auf kommunaler Ebene ist das Miteinander entscheidend, hier begegnen sich Menschen direkt, hier wird Demokratie greifbar oder eben auch nicht“, so Bürgermeister Dr. Steffen Kania. Er wies darauf hin, dass Demokratie nicht nur von Protest oder Ablehnung lebt, sondern davon, eigene Interessen gelegentlich zurückzustellen, wenn es dem Gemeinwohl dient, und demokratische Prozesse zu respektieren, auch wenn sie unbequem sind. „Demokratie ist kein Geschenk, sondern eine Aufgabe“, erläuterte Saalfelds Bürgermeister und zitierte den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck: „Demokratie muss Raum geben für Differenz und Widerspruch, nur im Disput der Verschiedenen können Alternativen geprüft und Kompromisse gefunden werden, nur so kann Erneuerung in der Demokratie gelingen.“ Angesichts des anhaltenden Zukunftspessimismus‘ sprach er von Zukunfts-Verkaterung und forderte auf, sich nicht von Problemen vereinnahmen zu lassen, sondern sie von den Lösungen her zu denken und kreativ und belastbar auf sie zu reagieren – individuell, gesellschaftlich und unternehmerisch. „Gefragt sind Mut und Beweglichkeit“, so Bürgermeister Dr. Steffen Kania. Dementsprechend blickt er in das neue Jahr mit Zuversicht, Hoffnung und Dankbarkeit.
Rudolstadts Bürgermeister Jörg Reichl setzte den Schlusspunkt bevor das Buffet eröffnet wurde. Er nahm Bezug auf die Wünsche, die anfangs an Minister Steffen Schütz gerichtet wurden, und verkündete, dass er die Nachricht erhielt, dass der Radweg zwar nicht von Rudolstadt nach Weimar, aber immerhin zwischen Teichröda und Teichel 2026 gebaut wird. Das neue Jahr verglich er mit einem Topf, in den viele Zutaten kommen: „Leichtes und Schweres, Erfolge und Dinge, die man noch einmal neu ansetzen muss. Entscheidend ist, dass etwas entsteht, das trägt“, so Bürgermeister Jörg Reichl. Als Vorsatz für das neue Jahr gab er aus: „Ein bisschen Gelassenheit üben.“
Neben den Thüringer Symphonikern Saalfeld-Rudolstadt gestaltete der Chor der Fürstin-Anna-Luisen-Schule Bad Blankenburg das Rahmenprogramm des Neujahrsempfangs, der nach dem offiziellen Teil auch viel Raum für Gespräche bot.
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