Die Stadt Rudolstadt trauert um ihren Ehrenbürger Horst Fleischer, der am 16. Oktober 2026 im Alter von 89 Jahren verstorben ist. Als Historiker, Archivar und langjähriger Direktor des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg hat er das kulturelle Leben unserer Stadt über Jahrzehnte mitgestaltet. Mit seinem Wissen, seiner Beharrlichkeit und seiner Verbundenheit zu Rudolstadt hat er Bleibendes geschaffen.
Eine Heimat in Rudolstadt
Geboren am 18. November 1936 in Köslin, führte ihn sein Lebensweg über Mecklenburg nach Thüringen. Nach seinem Studium und einer Tätigkeit als Lehrer für Deutsch und Geschichte kam er 1967 nach Rudolstadt. Hier arbeitete er zunächst am Staatsarchiv, später leitete er die Kleine Galerie Heinrich Cotta. Nach einer Tätigkeit am Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar wechselte er 1980 an das Thüringer Landesmuseum Heidecksburg, dessen Direktor er von 1986 bis zu seinem Ruhestand 2002 war.
Rudolstadt wurde ihm zur Heimat. „Seit 1967 lebe ich ständig in Rudolstadt und habe es nie bereut“, sagte er bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Dezember 2016. In diesem schlichten Satz lag eine Verbundenheit, die sein Wirken über viele Jahre getragen hat.
Für die Heidecksburg und die Stadt
Horst Fleischer verstand die Heidecksburg mit ihren Sammlungen und Gartenanlagen als Gesamtkunstwerk. Ihr Erhalt war ihm ebenso wichtig wie die Erforschung und Vermittlung ihrer Geschichte. Schon unter den schwierigen Bedingungen der späten DDR setzte er sich für die Wiederherstellung der Schlossanlage und den Erhalt der Rudolstädter Altstadt ein. Frühzeitig vorbereitete Planungen halfen, nach 1989 wichtige Sanierungsmaßnahmen voranzubringen.
Mit Ausstellungen und Veröffentlichungen zur Geschichte der Schwarzburger, zur Residenzkultur und zum Volkstedter Porzellan machte er Rudolstadts kulturelles Erbe über die Region hinaus bekannt. Der 1991 von ihm mitbegründete Freundeskreis Heidecksburg gewann Unterstützer für das Museum und seine Aufgaben.
Geschichte für Menschen lebendig machen
Ein besonderes Anliegen war ihm die Erinnerung an Friedrich Schiller und dessen Rudolstädter Jahre. Über lange Zeit warb er für eine Schiller-Gedenkstätte und wirkte schließlich maßgeblich an der Konzeption des 2009 eröffneten Schillerhauses mit. Auch nach seinem Ruhestand brachte er dort sein Wissen und seine Erfahrung ein.
Die Gründung der Rudolstädter Goethe-Gesellschaft, des Arbeitskreises für Stadtgestaltung und des Schillervereins ist eng mit seinem Namen verbunden. In Büchern und Vorträgen erschloss er die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen. Dabei wollte er Wissen verständlich vermitteln und Freude an der Beschäftigung mit Kultur und Geschichte wecken. Fachkollegen wie Bürgerinnen und Bürger schätzten ihn als kenntnisreichen Gesprächspartner und Ratgeber.
Dank und Erinnerung
Für sein ehrenamtliches Wirken erhielt Horst Fleischer 2010 den Ehrenamtspreis der Stadt. Am 8. Dezember 2016 verlieh ihm der Stadtrat einstimmig die Ehrenbürgerwürde und würdigte damit seine herausragenden Verdienste um Rudolstadt.
Bürgermeister Jörg Reichl würdigte den Verstorbenen mit den Worten:
„Horst Fleischer hat uns gezeigt, welchen Schatz wir mit der Geschichte unserer Stadt besitzen. Er hat sich mit großer Beharrlichkeit dafür eingesetzt, dieses Erbe zu bewahren und für die Menschen erlebbar zu machen. Dass die Heidecksburg und das Schillerhaus heute so viel über Rudolstadt erzählen können, ist auch sein Verdienst. Dafür sind wir ihm zutiefst dankbar. Mit ihm verlieren wir einen geschätzten Ratgeber und einen Mitbürger, dem unsere Stadt zur Herzensangelegenheit geworden war.“
Mit Horst Fleischer verliert unsere Stadt einen engagierten Bewahrer ihres kulturellen Erbes und einen Menschen, der anderen den Blick für den Wert ihrer Heimat öffnete. Sein Wirken bleibt in der Heidecksburg, im Schillerhaus und in seinen Veröffentlichungen gegenwärtig.
