Im Spielplan der nächsten Saison setzt das Stadtjubiläum 1250 Jahre Rudolstadt einen Schwerpunkt, und es wird seit längerer Zeit wieder ein richtiges Musical und einen großen Shakespeare geben. Insgesamt 22 Premieren, dazu die gewohnte Vielfalt an Konzertformaten und -programmen für alle Altersgruppen stellte das Leitungsteam des Schiller-Theaters zur Pressekonferenz am Freitag (17.4.) vor. Während das Schiller-Theater mit der Wiedereröffnung des Großen Hauses selbst einen großen Schritt gegangen ist, richtet das Spielzeitmotto 2026/27 die Frage nun ans Publikum: „Was ist dein Beginnen?“. Der Spruch aus Schillers „Wallenstein“ soll dazu ermutigen, veraltete Routinen aufzubrechen und Neues zu wagen. Der Neustart im September 2025 übertraf die Erwartungen und hatte eine Steigerung der Besucherzahlen und der Abonnements zur Folge.
1250 Jahre Rudolstadt – gleich zum Auftakt der neuen Spielzeit wird das Jubiläum mit einem Festakt am 6. September im Rahmen der Festwoche und zwei Premieren aufgegriffen. Im Schminkkasten will Chefdramaturg Michael Kliefert in seinem Stück „Das Stück vom Glück“ (05.09.2026, Regie: Michael Kliefert) die einmalige Zusammenarbeit von Schiller und Goethe – das wohl kreativste Dichterduo aller Zeiten –, die mit der Begegnung in Rudolstadt ihre erste vorsichtige Fühlung hatte, wiederaufleben lassen. In „Unsere kleine Stadt“ (19.09.2026, Regie: Herbert Olschok) auf der Großen Bühne fragt der amerikanische Autor Thornton Wilder, was die Bewohner einer Kleinstadt miteinander verbindet, was trennt und warum wir so oft das Wertvollste unseres Lebens übersehen.
Im Großen Haus folgen das Musical „Cabaret“ (14.11.2026, Regie: Matthias Straub) als Koproduktion von Schauspiel und Orchester, für die auch das Thüringer Folkloretanzensemble wiedergewonnen werden konnte. Hinter Glitzer, Strapsen und Champagner entfaltet sich ein kaleidoskopartiges Drama über Mitläufertum, Verlustängste und die Verführbarkeit der Kunst. Die „Komödie im Dunkeln“ (23.01.2027, Regie: Matthias Kitter) von Peter Shaffer besticht durch einen genialen Kunstgriff: Während die Figuren völlig im Dunkeln tappen, behält das Publikum stets den Durchblick. Schon etwas länger hat es keinen großen Shakespeare-Stoff mehr in Rudolstadt gegeben: „Der Sturm“ (20.03.2027, Regie: Alejandro Quintana) ist Märchen und Politdrama, Endzeit-Parabel und poetische Reflexion über Kunst und Macht zugleich. Vorlage für „Zufälliger Tod eines Anarchisten“ (15.05.2027, Regie: Kathrin Brune) ist ein realer Kriminalskandal aus Mailand. Die Farce von Literaturnobelpreisträger Dario Fo zeigt, wie schnell ein Lügengebäude zusammenstürzen kann. In Zeiten von gezielter Desinformation und Falschdarstellung eine wahre Heilkur!
Das Sommertheater 2027 ist eine große Komödie, die in der Theatergeschichte bereits Heerscharen von Publikum begeistert und Schauspieler zu komödiantischen Sternstunden angestachelt hat: Peter Jordans Neubearbeitung von „Der Raub der Sabinerinnen“ (12.06.2027, Regie: Matthias Thieme) erzählt von großer Sehnsucht und vom Ringen um Anerkennung, aber auch von der unsterblichen Kraft des Theaters. Ein legendärer Schwank nach Franz und Paul von Schönthan für die ganze Familie als deutsche Erstaufführung.
Musiktheater kommt in Kooperation mit dem Theater Nordhausen und der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar nach Rudolstadt. Als Geschichte von freundschaftlichem Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung erzählt Regisseurin Mechthild Harnischmacher die Opera Buffa „Der Barbier von Sevilla“ (10.10.2026) von Gioachino Rossini, eine der populärsten musikalischen Komödien. Die neue Nordhäuser Ballettdirektorin Maša Kolar stellt sich dem Publikum erstmals mit dem dreiteiligen, orchesterbegleiteten Abend „Prélude – Boléro – Sacre“(09.01.2027) vor. Zugrunde liegen ihr nicht weniger als drei Kompositionen, die von Beginn an eng mit dem Tanz verbunden waren und in einer der revolutionärsten Phasen der Ballettgeschichte entstanden. Eine Oper aus der realen Gegenwart um Migration und Kriegsflüchtenden, noch dazu: Neue Musik, vor der man sich nicht zu fürchten braucht, sondern deren postminimalistische Klänge gepaart mit saftigem Hollywood-Sound man schlicht genießen darf – das verspricht die Oper „Flight“ (06.02.2027, Inszenierung: Prof. Jochen Biganzoli) in Kooperation mit der Weimarer Musikhochschule von Jonathan Dove. Auch Steven Spielberg inspirierte das Schicksal des Geflüchteten Nasseri. Sein erfolgreicher Film „Terminal“ machte die außergewöhnliche Geschichte weltbekannt. Das Lyrische Drama „Werther“ (10.04.2027, Inszenierung: Matthias Kitter) von Jules Massenet komplettiert die Musiktheater-Premieren. Aus Goethes Vorlage schuf Massenet ein packendes Psychogramm, in dessen Mittelpunkt die beiden Duette von Charlotte und Werther stehen – eine Kooperation mit dem Theater Nordhausen.
Im Schminkkasten folgt auf „Das Stück vom Glück“ zum Spielzeitauftakt die Komödie „Kurzschluss“ (25.09.2026, Regie: Nina Pichler) von Noa Lazar-Keinan. Sie ist ein temporeicher wie humorvoller Schlagabtausch von großer Warmherzigkeit und Menschenkenntnis zum Thema Autismus und die Frage – was ist eigentlich normal? Dem wichtigen Thema der Freundschaft widmet sich auf extravagante Weise die Komödie „Abschiedsdinner“(30.01.2027, Regie: Markus Fennert) von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière. Anlässlich des 150. Geburtstages von Hermann Hesse gibt es eine Reise durch sein „magisches Theater“ mit dem Titel „Verliebt in die verrückte Welt“ (06.03.2027, szenische Einrichtung Oliver Mörchel), bei der eine eher unbekannte Seite seines Schaffens, nämlich sein lebensrettender Humor zur Geltung kommen soll. Zuletzt im Schminkkasten: „Robinson live in Rudolstadt“ (03.04.2027) ist ein melancholisch-ulkiger Liederabend, ein buntes Potpourri von Bach bis Lady Gaga, von gerade erst erfundenen Songs bis zum Volkslied mit dem singenden und das pianotraktierenden Schauspieler Aron Torka.
Breit aufgestellt ist das Angebot für Kinder und Familien mit zahlreichen Theater- und Konzertaufführungen. Bereits Dreijährige dürfen bei den beliebten Kinderliederkonzerten mitsingen und mitmachen. „Auf wilde Trommelsafari“ (30.09.2026) gehen sie diesmal zusammen mit Musikdramaturg Ingo Lößer-Boyny und Musikern der Thüringer Symphoniker. Das Puppentheater aus dem Theater Waidspeicher Erfurt zeigt die Inszenierung „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ (22.09.2026, Regie: Matthias Thieme, 10+) – eine ungewöhnliche Annäherung an die Geschehnisse im Konzentrationslager Buchenwald während der Nazi-Zeit aus der Perspektive von Tieren. Turbulent wird es im Familienkonzert „Auf den Sieben Weltmeeren“ (18.10.2026, 7+), wenn ein Pirat die Leitung des Orchesters übernimmt. Das junge Publikum ist aufgefordert, mitzusingen und mitzutanzen. In der Adventszeit begegnet Kindern ab fünf Jahren eine ungemein neugierige und lebenshungrige Holzfigur: „Pinocchio“ (08.11.2026, Regie: Matthias Thieme) nach Carlo Collodi gibt es als großes Weihnachtsmärchen. Sein Erfinder wurde vor 200 Jahren geboren. Ein Angebot für Familien ist das generationenübergreifende Weihnachtskonzert „A Christmas Carol – Die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens“ (04.12.2026, 7+). Wie das Gastspiel aus Erfurt widmet sich auch „Anne Frank“ (13.01.2027, 14+) dem dunklen Kapitel deutscher Geschichte. In dieser Stückentwicklung nach dem berühmten Tagebuch des jüdischen Mädchens lässt das Landestheater Eisenach eintauchen in das Leben von Anne Frank. Lustig wird es beim „Faschingskonzert – mit Max und Moritz auf närrischer Notenjagd“ (07.02.2027, 5+). „Big Brother is watching you“ – George Orwell hat bereits 1948 einen Roman über die Frage verfasst, wie der Staat die Gesellschaft kontrolliert und den Einzelnen überwacht. „1984“ (18.02.2027, Regie: Klaus Kusenberg, 15+) ist ein Gastspiel des Landestheaters Eisenach. Das Thema ADHS greift das Klassenzimmerstück „WiLd!“ (25.05.2027, 8+) auf – ebenfalls als Gastspiel des Landestheaters Eisenach. Lustige Orchesterinstrumente und viele klangliche Überraschungen erwarten das junge Publikum bei „Potz, Blitz und Polka“ (29.06.2027, 6+) – Johann Strauss’ Effektwerkstatt – erstmals als Open-Air im Park der Landessportschule Bad Blankenburg. Kindern und Jugendlichen die große Bühne geben die Thüringer Symphoniker seit fast 30 Jahren bei der „Zukunftsmusik“ (18./19.06.2027) – solistisch oder als Teil des großen Orchesterklangkörpers spielen sie gemeinsam ein unvergessliches Konzert. Der TheaterJugendClub nähert sich in seiner Stückentwicklung „Alice … träumt wieder“ (18.03.2027, Regie: Friederike Dumke, 14+) dem berühmten Kinderbuchklassiker von Lewis Carroll.
Eine Konzertsaison, die das Publikum mitnimmt auf Reisen in Klangwelten, Erinnerungsräume und emotionale Landschaften, die nur Musik zu öffnen vermag, versprechen die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt. Gleich im 1. Sinfoniekonzert treffen Anna Merediths suggestives Werk „Nautilus“, Rachmaninows zutiefst menschliches zweites Klavierkonzert und die zu Unrecht selten gespielte zweite Sinfonie von Wassili Kalinnikow aufeinander. Mit Olga Kern konnte eine Pianistin von internationalem Rang gewonnen werden. Ein roter Faden dieser Saison ist das Spannungsverhältnis von Ordnung und Leidenschaft, von Form und Gefühl. Haydns visionäre Darstellung des Chaos in der „Schöpfung“ reibt mit Brahms’ großer Dritter. Tschaikowskis und Prokofjews musikalische Blicke auf „Romeo und Julia“ entführen ins unerschöpfliche Thema der Liebe. Ganz besonders am Herzen liegt den Thüringer Symphonikern der Blick in die Ferne: Südamerika und das spanische Sevilla setzen in zwei Sinfoniekonzerten den Schwerpunkt. Die große Silvestergala „ALL YOU NEED IS LOVE“ (31.12.026) in der Stadthalle Bad Blankenburg vereint zwei musikalische Welten: Der treibende Puls der Beatles trifft auf die klangliche Vielfalt eines großen Sinfonieorchesters.
Das Einspielergebnis 2024/2025 konnte ein weiteres Jahr in Folge leicht gesteigert werden und liegt nun bei etwas mehr als 1 Mio. EURO. Hingegen sanken die Besucherzahlen geringfügig auf rund 75.000, ebenso die Zahl der Vorstellungen von 456 auf 433. Die Auslastung lag über sämtliche Spielstätten hinweg bei rund 77 %. Der Neustart im Großen Haus im September 2025 verlief sehr erfolgreich. Vor allem das Schauspiel, aber auch das Ballett und etwa die Weihnachtskonzerte erreichten eine Auslastung von über 90 %. Viele Vorstellungen, auch im Schminkkasten und im Theaterfoyer waren ausverkauft. Großes Interesse bestand an den Veranstaltungen zur traditionsreichen Theatergeschichte des Hauses und dem damit verbundenen Blick hinter die Kulissen. Die Zahl der Abonnenten ging in den vergangenen Spielzeiten in kleinen Schritten kontinuierlich nach oben – in der Spielzeit 2025/26 schlossen 785 Personen ein Festabonnement ab (749 im Vergleich 2024/25). Seit 2023 teilen sich der Freistaat Thüringen und die regionalen Träger wie die Stadt Rudolstadt, der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und die Stadt Saalfeld zu je 50 % die Finanzierung des Theaters und der Thüringer Symphoniker Saalfeld Rudolstadt. Sie liegt derzeit (2026) bei 13,3 Mio. EUR, die Zahl der Mitarbeitenden bei rund 175 Voll- und Teilzeitmitarbeitenden (2025). In der nächsten Spielzeit wird es eine geringfügige Preisanpassung geben. Im Schnitt steigt der Preis für eine Theater- und Konzertkarte um 2 EURO. Davon ausgenommen ist der Kinder- und Jugendbereich.
