Mit einem Festgottesdienst in der Lutherkirche, einem bunten Theaterfest am Nachmittag und dem feierlichen Festakt am Abend ist am Sonntag, 6. September 2026, die Festwoche zum großen Stadtjubiläum gestartet. Rudolstadt blickt in diesem Jahr auf 1250 Jahre seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung und zugleich auf 700 Jahre Stadtrecht zurück.
Im Mittelpunkt des Abends im Schiller-Theater stand die wechselvolle Geschichte der Stadt. Unter der Moderation von Intendant Steffen Mensching ließ das Schauspielensemble Persönlichkeiten und Figuren aus verschiedenen Jahrhunderten lebendig werden. Der Bogen reichte vom "Ur-Rudolf" über Arthur Schopenhauer und Charlotte von Lengefeld bis hin zu François Mitterrand und Hans Fallada, der als Rudolf Ditzen geboren wurde. So entstand ein Streifzug durch 1250 Jahre Stadtgeschichte, der bekannte Namen ebenso aufgriff wie überraschende Bezüge zu Rudolstadt.
Musikalisch begleitet wurde der Festakt von den Thüringer Symphonikern unter der Leitung von Generalmusikdirektor Oliver Weder. Schauspiel und Orchester verbanden historische Rückblicke mit Musik und machten deutlich, wie vielfältig Persönlichkeiten, Kultur und gesellschaftliche Entwicklungen die Stadt geprägt haben.
Bürgermeister Jörg Reichl nahm die Gäste in seiner Festrede mit auf eine Reise von der ersten Erwähnung als "Rudolfestat" im Jahr 776 bis in die Gegenwart. Dabei erinnerte er daran, dass die Geschichte Rudolstadts nicht allein von bekannten Persönlichkeiten geschrieben wurde. "Rudolstadt wurde nicht wegen einiger Dutzend berühmter Menschen 1250 Jahre alt. Es wurde 1250 Jahre alt wegen all der anderen", sagte Reichl. Er erinnerte an die vielen Menschen, die über Generationen hinweg Familien großzogen, Häuser bauten, in Werkstätten und Betrieben arbeiteten, Kranke pflegten, Vereine zusammenhielten und nach Krisen immer wieder neu begannen.
Auch die Bedeutung des Stadtrechts griff der Bürgermeister auf. Seit Rudolstadt 1326 erstmals ausdrücklich als Stadt bezeichnet wurde, seien gemeinschaftliche Verantwortung, Entscheidungen und auch das Ringen um Kompromisse Teil des städtischen Zusammenlebens. "Das hier ist unsere Stadt. Hier leben wir miteinander. Hier treffen wir Entscheidungen. Hier finden wir Kompromisse", fasste Reichl diesen Gedanken zusammen.
Die Festrede schlug zugleich eine Brücke zu dem, was Heimat heute bedeutet. Mit Blick auf den bekannten Ausspruch Anton Sommers "Es geht doch nüscht über Rudelstadt" beschrieb Reichl Heimat nicht als einen perfekten Ort, sondern als einen Ort, mit dem Menschen Erinnerungen, Verantwortung und Zugehörigkeit verbinden.
Der Bürgermeister richtete den Blick dabei bewusst auch nach vorn. Jede Generation bekomme die Stadt nur für eine bestimmte Zeit in die Hände und trage Verantwortung dafür, wie sie an die nächste weitergegeben werde. "Keine Generation besitzt eine Stadt. Jede Generation bekommt sie eine Weile in die Hände", sagte Reichl. Sein Wunsch sei ein Rudolstadt, in dem junge Menschen Gründe zum Bleiben finden, Rückkehr möglich ist, Unternehmen investieren können, Kultur und Ehrenamt ihren festen Platz behalten und die Ortsteile ihren eigenen Charakter bewahren.
Am Ende seiner Rede formulierte Reichl seinen Geburtstagswunsch an die Stadt: "Ich wünsche ihr Menschen, die sie lieben. Menschen, die mit ihr streiten. Menschen, die Ideen haben. Menschen, die bleiben. Menschen, die zurückkommen. Und Menschen, die bereit sind, sie immer wieder ein kleines Stück besser zu machen."
Mit dem Festakt fand ein erster Höhepunkt des Jubiläumsjahres statt. Zugleich bildete der Sonntag den Auftakt der Festwoche, in der Rudolstadt seine Geschichte, seine Gegenwart und die Menschen in den Mittelpunkt stellt, die die Stadt geprägt haben und weiter prägen werden.
Ein großer Dank der Stadt Rudolstadt gilt dem Team des Schiller-Theaters Rudolstadt, das diesen besonderen Festabend mit großem Engagement vorbereitet, gestaltet und für die Stadt ausgerichtet hat.
