Rudolstadt ist in diesem Jahr als Wettbewerbsstadt für das Projekt „Wagner für Kinder“ ausgewählt worden – eine besondere Auszeichnung im Rahmen der Bayreuther Festspiele. Zum offiziellen Projektstart war Katharina Wagner, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Bayreuther Festspiele, höchstpersönlich in der Saalestadt zu Gast und eröffnete gemeinsam mit den Projektpartnern den Kostümwettbewerb zur Kinderoper „Der Ring des Nibelungen“. Begleitet wurde sie dabei von Bürgermeister Jörg Reichl sowie Veranstaltungsreferent Frank Grünert, der auch die organisatorischen Belange der Städtepartnerschaft mit Bayreuth verantwortet.
Im gemeinsamen Gespräch mit Schulleitung, Stadtspitze und Projektbeteiligten stellte Wagner die Idee hinter „Wagner für Kinder“ noch einmal vor. Es sei ihr ein persönliches Anliegen gewesen, in diesem Jahr eine Stadt aus einem benachbarten Bundesland auszuwählen, da die bisherigen Wettbewerbsorte weit von Bayreuth entfernt lagen. „Da kam schnell die Idee Rudolstadt als Partnerstadt ins Spiel“, erklärte sie. Voller Spannung blicke sie nun auf die entstehende Inszenierung.
Am Gymnasium Fridericianum Rudolstadt arbeiten Kunst- und Musiklehrerinnen und -lehrer bereits seit Wochen mit den Schülerinnen und Schülern an der Vorbereitung. Sie entwerfen die Kostüme für die Kinderoper „Der Ring des Nibelungen“ – eine besondere Herausforderung angesichts der Vielzahl an Figuren, die ausgestattet werden müssen. „Die Kinder lassen sich total darauf ein, das ist das Tolle an den Kinderopern“, betonte Wagner. Die Werke würden komplett inszeniert, lediglich in gekürzter Fassung. Ziel sei es, junge Menschen frühzeitig als zukünftige Opernfreunde zu gewinnen. Neben den Kinderopern gehöre inzwischen auch ein eigener Theaterpädagoge am Festspielhaus zur Bildungsarbeit.
Zum Workshop-Tag reisten neben Wagner auch die Regisseurin Leonie Haupt, Studentin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, sowie die Bühnenbildnerin Charlotte Brandhorst, Studentin an der Kunsthochschule Weißensee, nach Rudolstadt. Traditionell setzen Studierende die Kinderoper um. Leonie Haupt wurde die Musik in die Kinderwiege gelegt. Am Gymnasium trifft sie auf ihre Familie: Heide und Volkmar Haupt, Musiklehrer am Fridericianum, sind ihre Eltern. Die Studentinnen stellten den Schülerinnen und Schülern das Werk, seine Schauplätze und Charaktere vor. Per Losverfahren wurden anschließend die Figuren verteilt, die es nun kostümlich zu gestalten gilt. „Die Schülerinnen und Schüler können ihrer Fantasie freien Lauf lassen“, so Haupt. „Heute lassen wir sie erst einmal in die Geschichte eintauchen und ihre Figuren entwickeln“, ergänzte Brandhorst.
Unterstützt wurden sie von der Bayreuther Schneiderin Marion Kral, die die ausgewählten Entwürfe später umsetzen wird. Sie gab praxisnahe Hinweise, was bei der Realisierung zu beachten ist – etwa, dass die Sängerinnen und Sänger das Orchester gut hören können und Kostüme deshalb die Ohren nicht zu stark verdecken dürfen. Für die handwerkliche Umsetzung bleiben lediglich sechs bis acht Wochen. „Als Modeschneiderin ist das Projekt immer eine besondere Herausforderung für mich, aber auch ein kreatives Abenteuer“, freut sich Kral auf die bevorstehende Arbeit.
Im Austausch thematisierte Veranstaltungsreferent Frank Grünert die kulturelle Vielfalt in Rudolstadt. „Es ist unglaublich, welche Masse Kultur eine Stadt wie Rudolstadt bietet – und vor allem ein eigenes Schauspielhaus und Orchester. Etwas, das es sicher nicht gäbe, würde es das Publikum nicht wollen und annehmen“, sagte Wagner anerkennend. Bürgermeister Reichl verwies in diesem Zusammenhang auf die hohe künstlerische Qualität und eine Auslastung von über 90 Prozent im Schiller-Theater Rudolstadt. Gemeinsam wurde die Idee entwickelt, die Kinderoper nach ihrer Aufführung in Bayreuth künftig auch einmal nach Rudolstadt zu holen.
Auch das diesjährige Jubiläum „150 Jahre Festspielhaus“ kam zur Sprache. Reichl informierte darüber, dass ein Modell des Festspielhaus Bayreuth aus Ankersteinen aus der Partnerstadt nach Bayreuth reisen werde – eine Idee, die Wagner sichtlich begeisterte.
„Wir sind stolz, Teil dieses Projektes sein zu dürfen“, betonte Reichl. Für die Schülerinnen und Schüler sei es eine einmalige Gelegenheit, sich auf diese Weise der Oper zu nähern – eine Erfahrung, die er sich selbst in jungen Jahren gewünscht hätte.
Hintergrund: „Wagner für Kinder“ ist ein Projekt der Bayreuther Festspiele und der BF Medien GmbH in Kooperation mit Fair Play Projekte. Ziel ist es, Wagneropern kindgerecht zu inszenieren und Schülerinnen und Schüler aktiv einzubeziehen. Im Rahmen eines Kostümwettbewerbs gestalten sie Entwürfe für die Hauptfiguren, die nach Auswahl in einer Werkstatt umgesetzt werden. Die Premiere der Kinderoper findet traditionell am Nachmittag des Eröffnungstages der Festspiele statt und wird während der Festspielzeit mehrfach aufgeführt. Zur Aufführung werden alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler nach Bayreuth eingeladen – wo sie ihre eigenen Entwürfe schließlich auf der Bühne im Original erleben können.
