Eine Medaille, die er gewann und zunächst doch nicht behielt: Diese Episode gehört zu den ungewöhnlichsten Momenten in der Laufbahn des Rudolstädter Fußballers Peter Rock. Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio stand er im Spiel um Bronze auf dem Platz, nachdem sich Klaus Urbanczyk verletzt hatte. Die Bedingung des DDR-Trainers Károly Sós: Sollte die Mannschaft gewinnen, sollte Rock seine Medaille dem verletzten Stammspieler überlassen. Rock akzeptierte. Nach dem 3:1 gegen die Vereinigte Arabische Republik gab er das Edelmetall weiter. Später erhielt er eine offizielle Kopie. Die Geschichte erzählt viel über einen Spieler, dessen Karriere von Mannschaftsgeist und Vielseitigkeit geprägt war.
Vom Schmied zum Oberligaspieler
Peter Rock wurde am 16. Dezember 1941 in Rudolstadt geboren. Seine Laufbahn begann bei der BSG Einheit Rudolstadt. Parallel absolvierte er eine Lehre als Schmied. Auf dem Platz fiel der 1,72 Meter große Spieler durch Schusskraft, Zweikampfhärte und technische Sicherheit auf. 1960 wurde er zum SC Motor Jena delegiert, aus dem 1966 der FC Carl Zeiss Jena hervorging.
In der Saison 1961/62 kam Rock erstmals in der DDR-Oberliga zum Einsatz. Ein Jahr später gehörte er als Rechtsaußen zur Stammelf und gewann mit Jena die erste DDR-Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Doch Rock blieb kein Flügelstürmer. Trainer Georg Buschner zog ihn zunächst ins Mittelfeld und später in die Abwehr zurück. Aus dem Angreifer wurde ein vielseitiger Defensivspieler und schließlich Libero. Selbst dort blieb er torgefährlich: 1965/66 war er mit acht Treffern bester Oberliga-Torschütze der Jenaer.
Titel und Nationalelf
Mit Jena gewann Rock drei DDR-Meisterschaften. 1972 kam der FDGB-Pokal hinzu. Im Finale gegen Dynamo Dresden organisierte er als Libero die Defensive beim 2:1-Erfolg. Insgesamt bestritt er 254 Oberligaspiele und erzielte 37 Tore. 1970/71 erreichte Jena im Europapokal der Landesmeister das Viertelfinale und scheiterte an Roter Stern Belgrad.
Zwischen 1967 und 1971 bestritt Rock nach DFV-Zählung elf A-Länderspiele. Sein einziges Tor war zugleich sein spektakulärstes: Am 16. April 1969 wurde er gegen Wales in der 77. Minute eingewechselt und erzielte in der 90. Minute den 2:1-Siegtreffer. Buschner setzte ihn später auch in der Nationalmannschaft als Libero ein.
Zurück in Rudolstadt
Nach seiner aktiven Laufbahn blieb Rock dem FC Carl Zeiss Jena verbunden und arbeitete von 1974 bis 1989 als Mannschaftsleiter. 1980 verlor er wegen nicht genehmigter Kontakte zu Besuchern aus der Bundesrepublik den Status als Reisekader und durfte die Mannschaft bei Spielen im westlichen Ausland nicht mehr begleiten.
1996 führte ihn der Fußball noch einmal in seine Heimatstadt zurück: Rock übernahm das Traineramt beim FC Einheit Rudolstadt. Im selben Jahr ehrte ihn der FC Carl Zeiss Jena mit der Goldenen Ehrennadel. Rock starb am 20. Juni 2021 im Alter von 79 Jahren.
Prägend war seine Fähigkeit, sich immer wieder neuen Aufgaben anzupassen: vom Rechtsaußen über das Mittelfeld bis zum Libero. Der Weg dieses vielseitigen Fußballers begann in Rudolstadt – und führte ihn bis auf das olympische Podest in Tokio.
