Mit der neuen Reihe „Kopf der Woche“ rückt die Stadt Rudolstadt künftig Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, die hier gelebt, gewirkt oder entscheidende Lebensabschnitte verbracht haben – Menschen, die die Stadt geprägt haben und deren Spuren bis heute sichtbar sind. Den Auftakt dieser Reihe macht ein Name, der eng mit Musik, Aufbruch und kulturellem Leben verbunden ist: Albert Methfessel.
Albert Methfessel (1785–1869) – Musiker, Hofsänger, LiedschöpferAlbert Methfessel zählt zu den bedeutenden Musikern des frühen 19. Jahrhunderts. Geboren 1785 in Stadtilm, kam er bereits als Jugendlicher nach Rudolstadt, wo sich sein musikalisches Talent früh zeigte. Am Gymnasium übernahm er die Leitung des Singchores und komponierte schon in jungen Jahren eigene geistliche Werke. Rudolstadt wurde damit zum ersten wichtigen Wirkungsort seines Lebens.
Nach einem Studium in Leipzig und einer gesanglichen Ausbildung in Dresden kehrte Methfessel 1810 nach Rudolstadt zurück. Er trat in den Dienst des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt und wirkte hier über mehrere Jahre als Hof- und Kammersänger am Hoftheater. Neben seinen Auftritten auf der Bühne prägte er das Musikleben der Residenzstadt auch als Lehrer und Förderer junger Talente. In dieser Zeit stand er in Kontakt mit bedeutenden Persönlichkeiten der Epoche, darunter Johann Wolfgang von Goethe, und unterrichtete sogar Emilie von Schiller, die Tochter Friedrich Schillers, im Gesang.
Besonders prägend war Methfessels Wirken während der Zeit der Befreiungskriege. In Rudolstadt entstand 1813 sein bekanntes Marschlied „Hinaus in die Ferne mit lautem Hörnerklang“, das er für ein Rudolstädter Freikorps schrieb. Der Legende nach zog er mit der Gitarre in der Hand singend an der Spitze der Freiwilligen durch die Stadt – ein eindrucksvolles Bild für den Geist jener Jahre. Das Lied verbreitete sich weit über Thüringen hinaus und machte Methfessel deutschlandweit bekannt.
Auch eines seiner wichtigsten Werke hat seinen Ursprung in Rudolstadt: Das „Allgemeine Commers- und Liederbuch“, das 1818 hier erschien, gilt als Meilenstein der deutschen Studenten- und Liedkultur. Viele der darin enthaltenen Lieder wurden zu festen Bestandteilen des geselligen Singens im 19. Jahrhundert und wirken bis heute nach.
Nach seiner Rudolstädter Zeit führte Methfessels Weg nach Hamburg und später nach Braunschweig, wo er als Musikdirektor und Hofkapellmeister tätig war. Dennoch blieb Rudolstadt ein zentraler Ort seines Lebens und Schaffens – hier wurde der Grundstein für seine Karriere gelegt, hier verbanden sich Musik, Bildung und gesellschaftliches Engagement.
Bis heute erinnert die Methfesselstraße in Rudolstadt an diesen bedeutenden Künstler. Mit ihm beginnt die neue Reihe „Kopf der Woche“ bewusst mit einer Persönlichkeit, die exemplarisch für das kulturelle Erbe der Stadt steht.
In den kommenden Wochen wird die Stadt Rudolstadt weitere „Köpfe der Woche“ vorstellen – bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten, die gezeigt haben, wie vielfältig, lebendig und prägend Stadtgeschichte sein kann.
