Katharina von Schwarzburg als Buchautorin? Das ist neu – und einem Zufallsfund in der Universi-tätsbibliothek Heidelberg vor drei Jahren zu verdanken. Das Originalbuch in altdeutscher Schrift, der Codex, wird weiterhin in Heidelberg aufbewahrt – doch das Buch liegt ab sofort in gedruckter Ausgabe und in moderner Sprache und Schrift vor, übersetzt und bearbeitet von Christine Kramp. Am Dienstag, 19. Mai, wurde es jetzt offiziell im Kräuter- und Olitätenmuseum „Beim Giftmischer“ in Schmiedefeld vorgestellt. Das erste Exemplar erhielten Landrat Marko Wolfram und die Direktorin des Thüringer Landesmuseums Heidecksburg, Sabrina Lüderitz, für die Bibliothek des Museums.
Erhältlich ist das Buch in zwei Varianten – zum einen als originalgetreue Übersetzung aus dem Codex, zum anderen in einer Zusammenfassung als Schlüssel und Kompass zum Verständnis der historischen Handschrift, sozusagen das „Lesebuch“. Mit dem Buch wird das Wissen über das Olitätenland weiter aufgearbeitet, das erstmals in einem Buch von Otto Ludwig „Im Thüringer Kräutergarten“ dargestellt wurde. Das Buch umfasst 721 Rezepte – gegen Blasensteine ebenso wie zur Geburtshilfe und versammelt das Wissen um die damalige gelehrte Arztkunst, einfache Hausmittel, teure Elixiere sowie „magische“ Rezepte.
Eingeladen hatten der Förderverein „Thüringer Kräutergarten/Olitätenland“ und sein erster Vorsitzender, der „ewige“ Olitätenkönig Siegward Franke. Er erhofft sich von der Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum Heidecksburg weitere Erkenntnisse zur Geschichte des Buches. Diese Unterstützung und Interesse fürs Thema sicherte Sabrina Lüderitz mit Blick auf die eigenen Bestände zu. „Wir arbeiten derzeit auch unsere Herbare auf der Heidecksburg auf“, erläuterte sie.
Landrat Marko Wolfram dankte für die Initiative des Vereins und berichtete, was er kürzlich mit der der Ilm-Keis-Landrätin Petra Enders bei einem Arbeitstreffen vereinbart hatte, um gemeinsam zur touristischen Stärkung der regionalen Olitäten-Tradition beizutragen. Ziel der beiden Landräte sei es, das Thema Olitäten als jahrhundertalte Kunst der Kräuteröl- und Essenzherstellung wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. „Die Olitäten sind ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für unsere beiden Landkreise. Sie gehören zu unserem kulturellen Erbe und sind ein echtes Markenzeichen des Thüringer Waldes“, erinnerte Landrat Marko Wolfram.
Das Thüringer Olitätenland und das Gebiet des Fördervereins umfasst im Wesentlichen die beiden Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Ilm-Kreis, reicht aber etwa durch die Lichtener Tradition auch in den Landkreis Sonneberg hinein. Deshalb waren neben Mitgliedern und Freunden des Vereins auch der Bürgermeister der Landgemeinde Großbreitenbach, Peter Grimm, und der stellvertretende Bürgermeister von Neuhaus, Thomas Schröder, gekommen. Und der stellvertretende Ortsteilbürgermeister von Schmiedefeld, Mirko Landrock, freute sich, die Gäste im höchsten Ortsteil von Saalfeld begrüßen zu können.
Siegward Franke schilderte die Begeisterung nach dem Zufallsfund des 460 Jahre alten Buches und seine besondere Bedeutung für den Olitätenverein. „Ich hatte das Buch in Heidelberg selbst in der Hand; das war ein magisches Gefühl“, so Franke. Den Termin „Beim Giftmischer“ nutzte der Hausherr auch, um beim Rundgang den umfangreichen Fundus des Olitätenmuseums vorzustellen. Das Gebäude hatte zuletzt dem vermutlich letzten Thüringer Olitätenproduzenten Oswald Unger gehört, der im Volksmund spaßeshalber als Giftmischer bekannt war. In dem Museum bewahrt der Verein die Tradition der Olitätenregion. In der Hochzeit des Olitätenhandels waren bis zu 900 Händler und Produzenten ansässig, die von hier aus die heimischen Olitäten in die ganze Welt hinaustrugen.
Hintergrund:
Katharina von Schwarzburg und das Arzneibuch
Geboren im Jahr 1509, heiratete Katharina, eine geborene Fürstin von Henneberg, den Schwarzburger Grafen Heinrich XXXVII., und lebte auch nach dessen Tod weiter auf der Heidecksburg. Sie gehört als Katharina die Heldenmütige zu den wichtigsten Frauen der Reformation. Zwei Jahre vor ihrem Tod erschien im Jahr 1565 ihr Arzneibuch, das von Heinrich Hagken zu Blankenburg als ihrem Schreiber aufgezeichnet wurde. Das Arzneibuch versammelt das gesamte medizinische Wissen seiner Zeit, wie Christine Kramp schreibt, die das Buch übersetzt und systematisch für eine breite Öffentlichkeit erschlossen hat. Weil die Autorin erkrankt war, übergab das Buch stellvertretend ihre Tochter Tanja Kramp, die selbst an der Erschließung des Buchcodex mitgearbeitet hatte. Christine Kramp ist eine ausgewiesene Expertin – im Jahr 2024 war sie in Großbreitenbach zur 31. Olitätenmajestät gekrönt worden.
