Zehn Tage lang stand Remda ganz im Zeichen seines 1250-jährigen Bestehens. Vom 11. bis 20. September 2026 wurde gefeiert, erinnert, entdeckt und vor allem viel miteinander erlebt. Vereine, Einrichtungen, Unternehmen und zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner hatten gemeinsam ein Programm auf die Beine gestellt, das so vielfältig war wie der Ort selbst.
Den wohl sichtbarsten Höhepunkt gab es zum Abschluss der Festwoche: Pünktlich um 13 Uhr setzte sich am Sonntag der große Festumzug in Kirchremda in Bewegung. In 21 Bildern zeigten die Remdaer Vereine und Einrichtungen, was ihren Ort ausmacht. Rund 270 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und knapp 30 geschmückte Fahrzeuge waren dabei.
Angeführt wurde der Festzug von der Blaskapelle Stadtilm. Gleich dahinter erinnerte der Kindergarten mit seiner Kostümierung nicht nur an seine 135-jährige Geschichte, sondern auch an die Remdaer Bielentensage. Grundschule, Feuerwehr, Kleingartenverein, Sportverein und Sportfischer reihten sich ein. Letztere sorgten mit Boot und "fliegenden Fischen" für einen besonderen Hingucker.
Auch die Dorfgemeinschaft Kirchremda, historische Motorräder, Pferde, Traktorenfreunde, die Remdaer Jagdhornbläser und die Agrargenossenschaft waren Teil des Umzuges. Viel Aufmerksamkeit bekam auch der Wagen des Karnevalsclubs Remda. Der KCR wird mit Beginn der neuen Saison am 11. November 2026 sein 60-jähriges Bestehen feiern und brachte gemeinsam mit seiner Trommelgruppe ordentlich Stimmung auf die Strecke.
Trotz bedeckten Himmels ließen sich Teilnehmerinnen, Teilnehmer und Gäste die gute Laune nicht nehmen. Viele Wochen Vorbereitung steckten in diesem Tag. Das war entlang der gesamten Strecke zu sehen und zu spüren. Manuel Much, Mitglied im Karnevalsclub und im Sportfischerverein, brachte die Stimmung auf den Punkt: "Da ist man doch sehr gerne Mitglied und stolz auf seine Vereine. Mit knapp 30 toll geschmückten Fahrzeugen und circa 270 Teilnehmern war der Umzug zum Abschluss der Festwoche ein voller Erfolg."
Kurz nachdem sich der Umzug auf dem Markt formiert hatte und die Blaskapelle noch einige Stücke spielte, setzte kräftiger Regen ein. Doch auch davon ließ sich Remda den Festabschluss nicht nehmen. Die evangelische Kirchgemeinde lud kurzerhand bereits vor dem Festgottesdienst zu Kaffee und Kuchen ein. Der Gottesdienst selbst würdigte das 90-jährige Bestehen des Kirchenchores und die seit 30 Jahren tätige Chorleiterin.
Schon während der Tage zuvor hatte sich gezeigt, wie viel Geschichte und Gemeinschaft in Remda stecken. Besonders groß war das Interesse beispielsweise bei der Werksbesichtigung der Glastechnik Kirste GmbH. Zwischen 90 und 100 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, hinter die Kulissen des traditionsreichen Unternehmens zu schauen. Firmeninhaber Bernd Kirste führte persönlich durch die Produktionsstätte, die in diesem Jahr auf eine 190-jährige Geschichte zurückblickt.
Nur wenige Schritte entfernt konnte man an diesem Tag noch weiter in die Remdaer Vergangenheit eintauchen. In der Schneiderei von Sabine Eberhardt waren historische Aufnahmen zur Häusergeschichte zu sehen. Dazu kamen Einblicke in alte Handwerkstechniken, Kostüme und Trachten. Eine in der Werkstatt gefertigte Uniform eines Schwarzburger Musketiers machte Geschichte dabei besonders anschaulich. Auch das Spinnen am Spinnrad wurde gezeigt.
Überhaupt spielte die Geschichte Remdas während der gesamten Festwoche eine große Rolle. Bei der Mühlen- und Stadtwanderung führte der Weg zu früheren Mühlenstandorten, zur Lügenbank, zu den Resten des einstigen landwirtschaftlichen Gutes der Universität Jena, zur Stadtkirche St. Simon und Juda und zum alten Stadtmauerturm in der Turmgasse.
Auch die Grundschulkinder lernten ihre Heimat einmal auf andere Weise kennen. Für sie wurde der alte Stadtturm zum besonderen Lernort. Die Schule selbst war zudem mit einer Fotoausstellung zu "70 Jahre Schule Remda" Teil des Festprogramms.
Ein weiterer besonderer Anlass war das 135-jährige Bestehen des Kindergartens. Noch vor der offiziellen Eröffnung der Festwoche kamen dort ehemalige und heutige Kindergartenkinder mit ihren Familien zusammen. Im Garten herrschte reges Leben, und viele Gäste nutzten die Gelegenheit, sich die Fotoausstellung im Haus anzusehen. Die Einrichtung war 1891 als Kinderbewahranstalt eröffnet worden.
Feierlich wurde es einen Tag später im Haus der Vereine. Dort eröffnete der Karnevalsclub Remda die Festwoche. Eine Vereins- und Unternehmensmeile, Grußworte, eine Festrede sowie Auftritte der Grundschule und des Posaunenchores aus Heilsberg gehörten zum Programm. Am Abend wurde getanzt, bevor ein Feuerwerk den Himmel über Remda erleuchtete.
Dass eine Festwoche vor allem von Begegnungen lebt, zeigte sich auch an vielen kleineren Orten. In der Mühlbachgasse trafen sich ehemalige und heutige Bewohnerinnen und Bewohner zu einem Straßenfest. Dazu kamen so viele weitere Gäste, dass am Ende sogar die Bratwürste knapp wurden. Viel wichtiger waren aber die Gespräche, das Wiedersehen und die gemeinsame Zeit.
Im Gartenverein "Hinter den Erlen" konnten offene Gärten besichtigt werden. Eine Pilzausstellung, die Ausstellung "80 Jahre Gartenverein", ein kleines Kinderfest sowie Kaffee und Kuchen sorgten für einen entspannten Nachmittag.
Beim Seniorencafé wurde unter dem Motto "Mode im Laufe der Zeit" ebenfalls Geschichte lebendig. Rund 60 Besucherinnen und Besucher verfolgten die Modenschau mit historischen Kleidungsstilen und Stoffen.
Sportlich ging es beim SV 21 Remda zu. Groß und Klein konnten sich an einem Sportparcours beteiligen. Im Kegeln, Dart und Fußball wurde außerdem um die Stadtmeisterschaft gekämpft.
Viel zu entdecken gab es auch am Stauweiher Kirchremda. Der Sportfischerverein informierte über das Gewässer und die heimische Natur. Beim Schauangeln, im Freiluftaquarium und bei einer Ausstellung von Angelzubehör konnten die Gäste einiges lernen. Wer gut aufgepasst hatte, durfte sein Wissen anschließend bei einem Quiz testen.
Kirchremda selbst wurde am Samstag zu einer großen Festmeile. Entlang der Dorfstraße und in offenen Höfen warteten Angebote für alle Generationen. Die Gäste konnten sich am Bagger versuchen, Büchsen werfen, Bogenschießen, einem Hobbyschmied über die Schulter schauen oder Rückepferde bei der Arbeit beobachten. Auch Schnitzarbeiten mit der Kettensäge sorgten für Aufmerksamkeit. Für die musikalische Begleitung sorgten die Rödelwitzer Musikanten. Am Abend wurde beim Traktorverein getanzt.
So entstand über zehn Tage hinweg eine Festwoche, bei der nicht ein einzelner Programmpunkt für sich stand. Vielmehr griffen die Veranstaltungen ineinander und zeigten ganz unterschiedliche Seiten Remdas. Geschichte, Vereinsleben, Handwerk, Sport, Musik und persönliche Begegnungen gehörten gleichermaßen dazu.
Ein Kamerateam begleitete die Jubiläumswoche und hielt viele dieser Momente für einen Film über die Feierlichkeiten fest.
Am Ende bleibt vor allem der Eindruck einer lebendigen Gemeinschaft. Die Remdaer Vereine, Einrichtungen, Unternehmen und viele einzelne Helferinnen und Helfer haben gemeinsam gezeigt, wie viel Engagement und Verbundenheit im Ort stecken.
Die Stadtverwaltung Rudolstadt bedankt sich herzlich bei allen, die vorbereitet, organisiert, angepackt, mitgemacht oder die Festwoche als Gäste begleitet haben. Das 1250-jährige Jubiläum von Remda wird vielen sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben.
