14.09.2026

Festwoche zum Stadtjubiläum endet mit ökumenischem Gottesdienst

Landesbischof Friedrich Kramer und Bürgermeister Jörg Reichl richten den Blick auf Gemeinschaft, Verantwortung und die Zukunft Rudolstadts

Mit einem ökumenischen Festgottesdienst in der Stadtkirche St. Andreas ist am Sonntag, 13. September 2026, die Festwoche anlässlich 1250 Jahre Rudolstadt und 700 Jahre Stadtrecht zu Ende gegangen. Die evangelische und die katholische Kirchengemeinde gestalteten gemeinsam den feierlichen Abschluss des Stadtjubiläums. Am Gottesdienst wirkten Landesbischof Friedrich Kramer, Pfarrer Martin Krautwurst der evangelischen Kirchgemeinde Rudolstadt und David Wolf von der katholischen Kirchgemeinde Saalfeld-Rudolstadt, Kirchenmusiker Frank Bettenhausen sowie die beiden Posaunenchöre der Stadt mit.

Nach zahlreichen Veranstaltungen, Begegnungen und kulturellen Angeboten während der Festwoche bot der Gottesdienst Gelegenheit, gemeinsam zurückzublicken und zugleich den Blick nach vorn zu richten.

Bürgermeister Jörg Reichl erinnerte in seinem Grußwort daran, dass das Jubiläum vor allem durch die Beteiligung vieler Menschen zu einem Fest für die gesamte Stadt geworden sei. Vereine, Einrichtungen, Kirchgemeinden, Kulturschaffende, Unternehmen, Ehrenamtliche sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten vorbereitet, organisiert, musiziert, erzählt und ihre Türen geöffnet.

„Ein Programm kann man planen. Ob daraus ein Fest wird, entscheidet sich erst dann, wenn Menschen kommen, mitmachen und miteinander ins Gespräch kommen“, sagte Reichl. Genau dies habe die zurückliegende Festwoche ausgezeichnet.

Mit der Stadtkirche St. Andreas sei bewusst ein Ort gewählt worden, der selbst für viele Jahrhunderte Rudolstädter Geschichte stehe. Generationen von Menschen hätten hier zentrale Momente ihres Lebens erlebt, gebetet, gehofft und gedankt. Während sich die Stadt im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert habe, sei die Kirche ein wichtiger Bezugspunkt geblieben.

In seiner Predigt griff Landesbischof Friedrich Kramer die biblische Schöpfungsgeschichte und den Auftrag an den Menschen auf, die Welt zu „bebauen und zu bewahren“. Diesen Gedanken verband er mit der Entwicklung von Gemeinschaft und Stadt. Arbeit, Verantwortung und der sorgsame Umgang mit dem Geschaffenen seien Aufgaben, die Menschen über Generationen hinweg miteinander verbänden.

Besondere Bedeutung maß Kramer dem Vertrauen zu. Eine komplexe Gesellschaft lasse sich nicht in allen Bereichen vollständig überblicken. Umso wichtiger sei die Entscheidung, anderen Menschen mit Vertrauen statt mit grundsätzlichem Misstrauen zu begegnen. Wo Menschen einander auf Augenhöhe begegneten und die Arbeit anderer wertschätzten, könne auch städtische Gemeinschaft gelingen und sich zum Wohle aller entwickeln.

Auch die Sprache und der Umgang miteinander standen im Mittelpunkt der Predigt. Kramer warb dafür, den eigenen Worten Verantwortung beizumessen, auf Hassrede zu verzichten und so miteinander zu sprechen, dass gegenseitiges Zuhören möglich bleibt.

Ein weiteres verbindendes Bild fand der Landesbischof in der Musik. Gemeinsames Singen gelinge nicht dadurch, dass alle dieselbe Stimme hätten. Entscheidend sei vielmehr, aufeinander zu hören und trotz unterschiedlicher Stimmen einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Als Orientierung nannte Kramer Glaube, Hoffnung und Liebe.

Auch Bürgermeister Reichl stellte in seinem Grußwort das Verbindende in den Mittelpunkt. Der ökumenische Gottesdienst sei mehr als ein abschließender Programmpunkt. Ökumene bedeute, Unterschiede nicht zu leugnen und dennoch nach dem Gemeinsamen zu suchen. Dieser Gedanke lasse sich auch auf das Zusammenleben in einer Stadt übertragen.

„Wir müssen nicht immer einer Meinung sein. Aber wir sollten einander zuhören, respektieren und immer wieder danach fragen, was uns verbindet“, so Reichl.

1250 Jahre Stadtgeschichte seien zugleich Verpflichtung für die Gegenwart. Keine Generation besitze eine Stadt dauerhaft. Jede Generation trage für eine bestimmte Zeit Verantwortung und gebe sie anschließend weiter. Rudolstadt bestehe dabei nicht allein aus seinen historischen Gebäuden und bekannten Orten, sondern vor allem aus den Menschen, die hier leben, sich engagieren, Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft ermöglichen.

Mit dem Ende der Festwoche richtet sich der Blick deshalb auch auf die Zeit nach dem Jubiläum. Bürgermeister Reichl äußerte die Hoffnung, dass neue Begegnungen, ein stärkeres Bewusstsein für die Geschichte der Stadt und das Gemeinschaftsgefühl der vergangenen Tage erhalten bleiben.

„Das Geheimnis einer Stadt, die 1250 Jahre alt wird, besteht wahrscheinlich darin, dass sich immer wieder jemand um sie kümmert“, sagte Reichl. Diese Aufgabe ende nicht mit dem Jubiläumsjahr, sondern setze sich im Alltag fort.

Landesbischof Kramer verband diesen Gedanken zum Abschluss seiner Predigt mit einem Segenswunsch für Rudolstadt. Glaube, Hoffnung und Liebe sollten sich in der Stadt ausbreiten und das Handeln der Menschen zum Guten bestimmen.

Der ökumenische Festgottesdienst setzte damit den Schlusspunkt unter eine Festwoche, die von Geschichte, Kultur, Begegnungen und gemeinschaftlichem Engagement geprägt war. Zugleich wurde deutlich: Das Jubiläum blickt nicht nur auf 1250 Jahre Rudolstadt zurück. Es stellt auch die Frage, wie die Stadt gemeinsam weitergetragen und gestaltet werden kann.

Michael Wirkner | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit