12.06.2026

Kulturpartnerschaft zwischen Rudolstadt und dem Burgenland unterzeichnet

Bürgermeister Jörg Reichl und Landesrätin Daniela Winkler besiegeln neue Zusammenarbeit im Löwensaal

Im Löwensaal der Stadt Rudolstadt ist gestern die Kulturpartnerschaft zwischen der Stadt Rudolstadt und dem österreichischen Burgenland unterzeichnet worden. Bürgermeister Jörg Reichl und Landesrätin Daniela Winkler, die in Vertretung des erkrankten Landeshauptmannes Hans Peter Doskozil nach Rudolstadt gekommen war, setzten ihre Unterschriften unter die Vereinbarung. Damit beginnt eine neue Zusammenarbeit, die kulturellen Austausch, gemeinsame Projekte und Begegnungen zwischen Rudolstadt und dem Burgenland fördern soll.

Der Löwensaal bot dafür einen würdigen Rahmen. Das Gebäude reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück und gehört bis heute zu den wichtigen Orten des städtischen Kulturlebens. Bürgermeister Jörg Reichl erinnerte in seiner Rede daran, dass Kultur nicht nach Entfernung oder Größe bemessen werde. Entscheidend seien Ideen, Begegnungen und die Bereitschaft, voneinander zu erfahren. Die Partnerschaft zwischen einer Stadt und einem österreichischen Bundesland sei deshalb kein Widerspruch, sondern eine Chance.

„Unsere Stadt wird nicht kleiner, wenn sie sich verbindet. Sie wird größer – im Horizont, im Klang und in den Möglichkeiten“, sagte Bürgermeister Jörg Reichl anlässlich der Unterzeichnung. Die neue Partnerschaft solle nicht bei der Unterschrift stehen bleiben, sondern von Beginn an mit Leben gefüllt werden.

Auch Landesrätin Daniela Winkler betonte, dass die Vereinbarung erst der Anfang sei. „Mit einer Unterschrift allein ist es nicht getan. Eine Partnerschaft kann nur gelebt werden, wenn man sich trifft, sich besucht und gemeinsam herausfindet, was einen verbindet“, sagte Winkler. Sie freue sich, die Kulturpartnerschaft im Namen von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil mit unterzeichnen zu können. „Ich glaube, dass wir noch viele Ideen und Möglichkeiten finden werden – in der Musik, in der Kultur und darüber hinaus. Das Schönste daran ist der gemeinsame Austausch.“

Entstanden ist die Verbindung über mehrere Begegnungen zwischen Vertreterinnen und Vertretern Rudolstadts und des Burgenlandes. Ein erster Austausch fand in Bayreuth statt, später besuchte eine Delegation aus dem Burgenland Rudolstadt. Auf dem Programm standen unter anderem die Heidecksburg, das Auktionshaus Wendl, das Schillerhaus und die Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur. Besonders die Porzellanfigur der Tänzerin Fanny Elßler, deren Familie väterlicherseits mit Eisenstadt verbunden ist, wurde zu einem verbindenden Motiv zwischen beiden Kulturregionen.

In seiner Rede ging Bürgermeister Reichl auch auf die verbindende Kraft von Kultur ein. Gerade in Zeiten, in denen Abgrenzung und Misstrauen wieder stärker wahrnehmbar seien, könne Kultur Türen öffnen. Internationale Kulturbeziehungen lebten davon, dass Menschen einander begegnen, Interesse entwickeln und gemeinsame Erfahrungen sammeln. Mit dem Burgenland treffe Rudolstadt auf einen Partner, der durch Mehrsprachigkeit, Grenzerfahrungen, burgenlandkroatische, ungarische und Roma-Kultur sowie eine reiche Kulturlandschaft geprägt ist.

Auch Rudolstadt bringt gute kulturelle Voraussetzungen in die Partnerschaft ein. Die Stadt feiert in diesem Jahr 1250 Jahre Ersterwähnung und 700 Jahre Stadtrecht. Zu den prägenden Einrichtungen zählen unter anderem das Schiller-Theater, die Thüringer Symphoniker, die Heidecksburg, das Schillerhaus, die Thüringer Bauernhäuser und die Stadtbibliothek. Eine besondere Rolle spielt außerdem das Rudolstadt-Festival als eines der bedeutenden Festivals für Roots, Folk und Weltmusik in Deutschland. Dass Österreich in diesem Jahr Schwerpunktland des Festivals ist, gibt der neuen Partnerschaft zusätzliche Aktualität.

Im Anschluss an die Unterzeichnung stellte Margit Fröhlich, Wissenschaftliche und kaufmännisch-organisatorische Leitung Museen und Sammlung bei den Kultur-Betrieben Burgenland, die kulturelle Landschaft des Burgenlandes vor. Die Kultur-Betriebe Burgenland vereinen unter anderem Festivals, Kulturzentren, Museen und Ausstellungshäuser. Dazu zählen die Seefestspiele Mörbisch, die Oper im Steinbruch, die Schloss-Spiele Kobersdorf, das Liszt Festival Raiding, Schloss Tabor, der Kultur Sommer Güssing, das KLANGfestival Schlaining und der Theater Sommer Parndorf. Für das Jahr 2025 wurden in der Präsentation 262.303 Besucherinnen und Besucher genannt.

Darüber hinaus stellte Fröhlich wichtige Kulturorte des Burgenlandes vor, darunter das Kultur Kongress Zentrum Eisenstadt, Kulturzentren in Mattersburg, Oberschützen, Güssing und Neusiedl am See sowie das Alte Kino Mörbisch und die ehemalige Synagoge Kobersdorf. Auch die Museen des Burgenlandes wurden vorgestellt. Zur Struktur gehören unter anderem die Friedensburg Schlaining, das Haydn-Haus Eisenstadt, das Liszt Museum Raiding, die Landesgalerie Burgenland sowie das Landesmuseum Burgenland, das derzeit wegen Umbaus geschlossen ist.

Nach dem offiziellen Teil im Löwensaal führte der gemeinsame Weg in das Schillerhaus. Dort kamen die neuen Partnerinnen und Partner miteinander ins Gespräch und nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Austausch über mögliche gemeinsame Vorhaben. Im Mittelpunkt standen Kultur, Kunst, Musik, Brauchtum und Begegnungen. Schon in den kommenden Tagen wird sich das Burgenland in Rudolstadt kulinarisch, musikalisch und künstlerisch vorstellen.

Die Kulturpartnerschaft soll langfristig wachsen. Geplant sind Austauschformate, Festivalauftritte, Gastspiele und Konzertprojekte. Für Rudolstadt ist die Unterzeichnung ein weiterer Schritt, internationale Kulturbeziehungen zu pflegen und die eigene Kulturlandschaft im europäischen Austausch weiter zu öffnen.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit