Albert Methfessel hat seinen Platz in der Rudolstädter Marktstraße zurück. Am Freitag wurde die Terrakotta-Büste des Musikers, Hofsängers und Komponisten feierlich wiedereingeweiht, nachdem sie im Januar durch Vandalismus schwer beschädigt worden war. Zurückgeblieben waren damals nur der Hinterkopf und zahlreiche Scherben auf dem Boden. Dass die Büste nun wieder nahezu vollständig hergestellt werden konnte, ist dem schnellen Handeln aufmerksamer Rudolstädterinnen und Rudolstädter, der Kunstwerkstatt sowie der Unterstützung der Stadt Rudolstadt und des Freundeskreises der Stadtführer zu verdanken.
Unmittelbar nach der Zerstörung hatten Bürgerinnen und Bürger die Kunstwerkstatt informiert. So konnten die Bruchstücke und Reste des Kopfes gesichert werden. „Wir sind froh, dass es Menschen gibt, die die Köpfe zu schätzen wissen“, sagte Johanna Fischer, Vorstandsvorsitzende der Kunstwerkstatt, bei der Einweihung. Die Zerstörung habe viele Menschen in der Stadt bestürzt. Umso größer sei die Freude, dass der Kopf nun wieder an seinem angestammten Platz zu sehen ist.
Die Rudolstädter Köpfe gehören seit der Sanierung der Marktstraße Anfang der 2000er-Jahre fest zum Bild der historischen Innenstadt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wächst das Projekt kontinuierlich und macht Persönlichkeiten sichtbar, die mit Rudolstadt und seiner Geschichte verbunden sind. „Erst im vergangenen Jahr haben wir eine neue Büste von Traugott Maximilian Eberwein eingeweiht. Das Projekt wächst seit nunmehr über 20 Jahren kontinuierlich. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt und auch für die Kunstwerkstatt“, betonte Fischer. Der wiederhergestellte Methfessel-Kopf sei daher nicht nur die Reparatur eines einzelnen Kunstwerks, sondern auch ein wichtiges Zeichen für den Wert des gesamten Projekts.
Die Restaurierung übernahm die Künstlerin Sylvia Bohlen. Glücklicherweise musste die Büste nicht vollständig neu modelliert werden. Ein großer Teil der Scherben konnte wieder zusammengesetzt werden. Fehlstellen wurden ergänzt, Teile mit Zement aufgefüllt und verklebt. „Der Kopf war ziemlich genau 20 Jahre alt, als er zerstört wurde. Wetter oder Feuer können dem Material nichts anhaben – aber gegen Vandalismus ist es nicht widerstandsfähig genug“, erklärte Bohlen. Keramik sei eigentlich nicht reparabel, man müsse immer Kompromisse eingehen. Umso bemerkenswerter ist das Ergebnis: Nur bei sehr genauer Betrachtung sind die Spuren der Beschädigung noch zu erkennen.
Möglich wurde die Wiederherstellung auch durch finanzielle Unterstützung. Neben der Stadt Rudolstadt beteiligte sich der Freundeskreis der Stadtführer. Bei einer Veranstaltung wurden 150 Euro an Spenden gesammelt, die im Rahmen der Einweihung übergeben wurden.
Besonders erfreut zeigte sich Stadtführer Peter Schart, der bekannte, dass Albert Methfessel sein liebster Kopf in der Reihe der Rudolstädter Büsten sei. Er erinnerte zugleich daran, dass Methfessel nicht nur in Rudolstadt Spuren hinterlassen hat, sondern auch in Hamburg bis heute bekannt ist. Dort wird er unter anderem mit der Hamburg-Hymne „Stadt Hamburg an der Elbe Auen“, auch „Hammonia“ genannt, verbunden, die er komponierte. Passend dazu gab Schart die erste Strophe als kleines Ständchen zum Besten.
Damit die Rudolstädter Köpfe künftig noch stärker wahrgenommen und gepflegt werden, hat die Kunstwerkstatt zudem eine Kooperation mit einer Klasse des Gymnasiums Fridericianum begonnen. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Büsten regelmäßig mit Bürsten reinigen. Für Johanna Fischer ist das auch ein pädagogischer Ansatz: Wer sich mit den Köpfen beschäftige und sie pflege, lerne ihren Wert und ihre Bedeutung für die Stadt besser kennen.
Mit der Wiedereinweihung der Methfessel-Büste ist ein Stück Rudolstädter Stadtbild im Jubiläumsjahr wieder vollständig. Zugleich wurde deutlich, wie sehr die Rudolstädter Köpfe inzwischen zur Innenstadt gehören – und wie viele Menschen bereit sind, sich für ihren Erhalt einzusetzen.
