Mit der neuen Rendezvous- und Verknüpfungshaltestelle "Schwarza, Dreiklang" erhält Rudolstadt einen wichtigen neuen Knotenpunkt für den öffentlichen Personennahverkehr. Die Stadt Rudolstadt eröffnete die Anlage am 1. September 2026. Bereits seit dem 11. August halten nach Abschluss der Bauarbeiten wieder Busse am Dreiklang.
Die Haltestelle ist weit mehr als der Ausbau eines bestehenden Haltepunktes. Sie schafft die infrastrukturelle Voraussetzung dafür, Buslinien im Städtedreieck Saalfeld - Rudolstadt - Bad Blankenburg künftig systematisch miteinander zu verknüpfen. Damit ist das Projekt zugleich ein wichtiger Baustein für die schrittweise Umsetzung des Integralen Taktfahrplans Thüringen.
„Mit der Rendezvoushaltestelle Dreiklang eröffnen wir nicht einfach eine neue Bushaltestelle. Wir schaffen einen modernen und barrierefreien Verkehrsknoten, der Rudolstadt, Saalfeld und Bad Blankenburg künftig noch enger miteinander verbindet und damit ein wichtiges Stück Mobilität der Zukunft im Städtedreieck Wirklichkeit werden lässt“, erklärt Bürgermeister Jörg Reichl.
Der Integrale Taktfahrplan, kurz ITF, verfolgt das Ziel, Bus- und Bahnangebote systematisch miteinander zu verknüpfen. Feste und leicht merkbare Taktzeiten, abgestimmte Knotenpunkte und möglichst kurze Übergänge sollen dafür sorgen, dass Fahrgäste verlässlicher und einfacher zwischen verschiedenen Linien wechseln können. Ein Bus soll dabei nicht für sich allein betrachtet werden. Entscheidend ist, welche Anschlüsse er an einem Knoten erreicht und welche weiteren Fahrtmöglichkeiten dadurch entstehen.
Die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla-Kreis gehören seit 2022 zur Modellregion des landesweiten Projektes "Integraler Taktfahrplan Thüringen 2030". Ziel des Projektes ist es, insbesondere auch in ländlich geprägten Regionen ein verlässlicheres, besser vernetztes und leichter verständliches ÖPNV-Angebot zu entwickeln. Bis 2027 sollen alle 17 Landkreise und fünf kreisfreien Städte Thüringens in den Prozess einbezogen sein.
Eine besondere Bedeutung haben dabei sogenannte ITF-Knoten. Ein solcher Knoten bezeichnet nicht nur einen Ort, sondern vor allem einen fahrplantechnisch festgelegten Zeitpunkt, zu dem mehrere Linien möglichst gleichzeitig zusammentreffen. Fahrgäste können dadurch mit kurzen Wartezeiten von einer Linie in eine andere wechseln. Werden Stadtbus-, Regionalbus- und Bahnverkehre auf diese Weise miteinander abgestimmt, entstehen zusätzliche Verbindungen, ohne dass jede Strecke durchgehend mit einer eigenen Linie bedient werden muss.
Die neue Rendezvoushaltestelle am Dreiklang wurde genau für diese Funktion geschaffen. Die räumlichen Voraussetzungen ermöglichen es künftig, mehrere Busse unterschiedlicher Linien gleichzeitig an einem gemeinsamen Knoten zusammenzuführen. Dadurch können Anschlüsse gezielt hergestellt und Parallelfahrten reduziert werden. Fahrzeuge und Personal können so effizienter eingesetzt werden.
Mit der Eröffnung am 1. September wird der Integrale Taktfahrplan am Dreiklang allerdings noch nicht vollständig umgesetzt. Die neue Infrastruktur ist zunächst die Voraussetzung für die spätere fahrplanseitige Verknüpfung. Ihre volle Funktion soll die Rendezvoushaltestelle mit dem Fahrplanwechsel zum 1. Januar 2027 entfalten.
Aktuell bedienen die Städtedreieck mobil Linie S1 und die KomBus-Regionallinie 227 den Dreiklang.
Mit dem Fahrplanwechsel zum 1. Januar 2027 soll die Haltestelle Schwarza, Dreiklang ihre Funktion als zentraler Verknüpfungspunkt im Städtedreieck vollständig übernehmen. Vorgesehen ist, dass sich dort die Linien S1, S2 und die neu einzuführende Linie S3 treffen und die Fahrtrichtungen Rudolstadt, Bad Blankenburg und Saalfeld bedienen. Der neue Knoten ermöglicht es, die Fahrten zwischen Bad Blankenburg und Rudolstadt so zu verschieben, dass sich zwischen Dreiklang und Rudolstadt ein 15-Minuten-Takt ergibt. Gleichzeitig entsteht zwischen Rudolstadt und Saalfeld zusätzlich zur halbstündlich direkt verkehrenden Linie S1 eine weitere halbstündliche Verbindung mit Umstieg am Dreiklang. Damit besteht zwischen Rudolstadt und Saalfeld künftig alle 15 Minuten eine Fahrtmöglichkeit - im Wechsel direkt und mit Umstieg. Die konkreten Fahrpläne für den Fahrplanwechsel befinden sich derzeit noch in Bearbeitung.
„Gerade für den ländlichen Raum ist eine solche Verknüpfung von besonderer Bedeutung. Ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr hängt dort nicht allein von der Zahl der Fahrten ab. Entscheidend ist ebenso, ob Busse und Bahnen verlässlich aufeinander abgestimmt sind und Fahrgäste ohne lange Wartezeiten ihr Ziel erreichen können. Dies verbessert die Mobilität von Menschen, die kein eigenes Auto nutzen können oder wollen, und stärkt die gesellschaftliche Teilhabe“, erläutert Dirk Bergner, Geschäftsführer der KomBus. Gleichzeitig könne ein besser vernetzter ÖPNV dazu beitragen, mehr Fahrten vom individuellen Autoverkehr auf gemeinsam genutzte Verkehrsmittel zu verlagern.
Ein zentraler Bestandteil des Projektes am Dreiklang ist die Barrierefreiheit. Die neue Haltestelle wurde unter anderem mit Kasseler Borden ausgestattet, die einen erleichterten und sicheren Ein- und Ausstieg ermöglichen. Eine moderne dynamische Fahrgastinformation soll Fahrgäste über Abfahrtszeiten sowie je nach System auch über Verspätungen und Verkehrsstörungen informieren.
Von der barrierefreien Gestaltung profitieren insbesondere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, ältere Fahrgäste, Familien mit Kinderwagen und Reisende mit Gepäck. Der Ausbau ist Teil der langfristigen Strategie der Stadt Rudolstadt, weitere Haltestellen im Stadtgebiet schrittweise zu modernisieren und besser zugänglich zu machen.
Auch die Verkehrsführung wurde auf die künftige Funktion des Verkehrsknotens abgestimmt. In Fahrtrichtung Saalfeld kommen die Busse aus Richtung Kreisverkehr und halten direkt an der Verkehrsinsel in einer Haltebucht neben der Fahrbahn. In Fahrtrichtung Rudolstadt queren die Busse zunächst die Straße, bedienen die Haltestelle innerhalb der neuen Anliegerstraße und verlassen diese anschließend über den Kreisverkehr zur Weiterfahrt in Richtung Schwarza beziehungsweise Bad Blankenburg.
Mit dem Dreiklang und dem bereits am 17. Dezember 2021 eröffneten Zentralen Omnibusbahnhof verfügt Rudolstadt über zwei wichtige ÖPNV-Knotenpunkte. Perspektivisch soll auch der Bahnhof Rudolstadt umfassend modernisiert und barrierefrei ausgebaut werden. Gemeinsam mit weiteren barrierefrei umgestalteten Haltestellen soll so ein zusammenhängendes Netz moderner Verkehrsknoten und Haltepunkte entstehen.
Die Idee für die Rendezvoushaltestelle geht auf eine Linienuntersuchung zurück. Impulsgeber war Constantin Pitzen von der Fahrplangesellschaft B&B mbH. Die weitere Entwicklung erfolgte im Zusammenhang mit dem Integralen Taktfahrplan. Das Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur beauftragte im Rahmen des ITF-Projektes die LEG Thüringen. In die fachliche Planung wurden unter anderem die Fahrplangesellschaft B&B mbH und das Büro MOBILE ZEITEN eingebunden.
Für den erforderlichen Teilumbau der B 88 wurde ein entsprechendes Verfahren durchgeführt. Im Dezember 2021 wurde das Unterbleiben der Planfeststellung festgestellt. Danach folgten weitere planerische Bearbeitungen und Abstimmungen.
Nach einer beschränkten Ausschreibung wurde der Bauauftrag im November 2025 an die August Dohrmann GmbH aus Saalfeld vergeben. Die Bauarbeiten begannen Anfang März 2026. Ende Juli konnten die wesentlichen Bauleistungen fristgerecht fertiggestellt und abgenommen werden.
Noch ausstehende Bepflanzungsarbeiten sollen voraussichtlich im Herbst 2026 während der geeigneten Pflanzzeit erfolgen.
Die Maßnahme verbessert nicht nur die Bedingungen für den öffentlichen Nahverkehr. Mit neu gestalteten und erweiterten Freiflächen wertet sie zugleich den Ortskern von Schwarza auf. Die vorgesehenen Baumpflanzungen sollen diesen Effekt ergänzen und zu mehr innerstädtischem Grün und Aufenthaltsqualität beitragen.
Die Gesamtinvestitionskosten betragen zirka 770.000 Euro. Das Projekt wurde als Gemeinschaftsmaßnahme zahlreicher Partner umgesetzt. Das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr ist als Straßenbaulastträger, Fördergeber und Vertragspartner beteiligt. Der Fördermittelanteil beträgt 402.000 Euro. Der Zweckverband ÖPNV Saale-Orla wirkt als Aufgabenträger der ÖPNV-Planung und Mitträger der Gemeinschaftsmaßnahme mit. Er beteiligt sich mit 139.290 Euro an den Kosten. Die KomBus GmbH brachte insbesondere die betrieblichen Anforderungen in die Planung ein und beteiligt sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit ebenfalls finanziell.
Eine wichtige Voraussetzung für die Realisierung war außerdem die Grundstückslösung am ehemaligen „Bremer Hof“. Das unmittelbar angrenzende Gebäude war einsturzgefährdet. Die W.S. Gewerbebau GmbH beteiligte sich an den Abrisskosten, verkaufte benötigte Teilflächen und stellte das Grundstück während der Bauphase als Baustelleneinrichtungsfläche zur Verfügung.
Die Rendezvoushaltestelle Dreiklang verbindet damit Infrastruktur und Fahrplanplanung auf besondere Weise. Der Bau schafft die räumliche Voraussetzung dafür, dass der Integrale Taktfahrplan im Städtedreieck ab 2027 schrittweise seine Wirkung entfalten kann. Die eigentliche Qualität des neuen Verkehrsknotens wird sich dann zeigen, wenn mehrere Linien zu abgestimmten Zeiten zusammentreffen und aus einzelnen Busverbindungen ein vernetztes Angebot entsteht.
