Neue Fugen, wiederhergestellte Zinnen und ein Wappenstein, der nach Jahrzehnten die Fassade vervollständigt: Der Bismarckturm auf dem Zeigerheimer Berg hat sein vertrautes Erscheinungsbild zurückgewonnen. Davon machten sich Bürgermeister Jörg Reichl und der 1. Beigeordnete Mirko Schreiber am vergangenen Freitag vor Ort ein Bild. Hinter der im Sommer abgeschlossenen äußeren Sanierung liegen mehrere Jahre der Planung, Spendensammlung und aufwendigen handwerklichen Arbeit. Für den Freundeskreis Bismarckturm geht das Vorhaben nun mit dem weiteren Innenausbau weiter.
Das 1899 eingeweihte Bauwerk oberhalb von Volkstedt gilt als erste Bismarck-Feuersäule Deutschlands und ist vielen Rudolstädtern auch als Geschwister-Scholl-Turm bekannt. Über Generationen war es ein beliebtes Ziel für Spaziergänge und ein Ort der Begegnung. Witterung und Vandalismus setzten dem Turm jedoch erheblich zu. Im Mauerwerk fehlten Steine, die Zinnen waren zerstört, Fensteröffnungen zugemauert und die Wände beschmiert.
Um diesen Zustand zu ändern, gründete sich 2021 unter dem Dach des Kulturbundes der Freundeskreis Bismarckturm Rudolstadt. Seine Mitglieder knüpften an frühere Bemühungen um den Erhalt des Bauwerks an. Sie beseitigten Müll und Schutt, erfassten die Schäden und bereiteten eine Sanierungskonzeption vor. Gleichzeitig warben sie um Unterstützer und sammelten Geld für die bevorstehenden Arbeiten. Das Ziel war von Anfang an, das Denkmal zu erhalten und wieder für Besucher zugänglich zu machen.
Schon während dieser Vorbereitungen kehrte ein besonderes Stück Turmgeschichte zurück. Im Oktober 2022 übergab Restaurator Gerhard Peters die aufgearbeitete gusseiserne Gedenktafel an Bürgermeister Jörg Reichl. Als Kind hatte Peters sie gemeinsam mit seinem Großvater in der Nähe des Turmes gefunden. Jahrzehnte später restaurierte er das beschädigte Original und ergänzte eine fehlende Ecke. Anschließend wurde die Tafel dem Freundeskreis zur Wiederanbringung überlassen.
Mit Veranstaltungen und Turmöffnungen rückte die Initiative das Vorhaben im Frühjahr 2023 weiter in die Öffentlichkeit. Dazu trug auch das Buch „Der Bismarckturm zu Rudolstadt“ von Astrid von Killisch-Horn bei, dessen Verkaufserlös der Sanierung zugutekam. Am 26. September 2023 konnte schließlich mit einem symbolischen „Spatelstich“ der erste Bauabschnitt beginnen. Dafür standen 55.000 Euro aus Fördermitteln, Spenden und Eigenmitteln bereit.
In den folgenden Monaten wurde die historische Bausubstanz Schritt für Schritt instand gesetzt. Schadhafte Steine mussten ausgetauscht, Fugen erneuert und die vier Fensternischen restauriert werden. Hinzu kamen die Abdichtung des Daches sowie Arbeiten an den Fenstersimsen und der Eingangstür. Bis zum Jahresende waren die Fugen im unteren Turmbereich erneuert, Graffiti entfernt und Ringanker am Dach befestigt.
Parallel dazu erhielt das Projekt eine vertragliche Grundlage: Im Oktober 2023 beschloss der Stadtrat die unentgeltliche Nutzungsüberlassung an den Kulturbund. Damit wurden die Voraussetzungen für die weitere Betreuung des Turmes und die Beantragung von Fördermitteln geschaffen. Im Mittelpunkt standen dabei der bauliche Erhalt und die öffentliche Zugänglichkeit des Denkmals.
Im Jahr 2024 folgte mit dem Einbau einer historischen Wendeltreppe ein weiterer wichtiger Schritt, um die Aussichtsplattform wieder erreichbar zu machen. Allerdings verlief die Finanzierung nicht immer wie erhofft. Nach einem zunächst abgelehnten Förderantrag gewann die Eigenleistung der Mitglieder noch stärker an Bedeutung. Mit ihrem Einsatz führten sie die Arbeiten dennoch fort und konnten beim Familienfest zum 125-jährigen Bestehen des Turmes im August die bisherigen Ergebnisse vorstellen.
Auch das Umfeld wurde aufgewertet. Im Oktober 2024 kam eine neue Schutzhütte hinzu, die als Ausbildungsprojekt der Strabag-Gruppe Rudolstadt entstanden war und dem Freundeskreis geschenkt wurde. Sie bietet Wanderern einen Platz zum Rasten und Schutz vor schlechtem Wetter. Zugleich knüpft sie an die Geschichte des Ortes an, denn bereits um 1900 hatte nahe dem Turm ein hölzerner Unterstand gestanden. Während die Hütte bereits genutzt werden konnte, setzten sich die Arbeiten am Mauerwerk und an den Turmzinnen über das Jahr 2025 hinweg fort.
Im Sommer 2026 erhielt die äußere Sanierung ihren Abschluss. Unter fachkundiger Anleitung von Hans-Ulrich Batzke und mit Unterstützung der Rudolstädter Firma RSB wurde der rund 250 Kilogramm schwere Stein mit dem Familienwappen von Bismarck am Turm eingesetzt, eingemauert und verfugt. Damit war auch dieses lange fehlende Detail der Fassade wiederhergestellt. Am 18. Juli feierten Mitglieder, Unterstützer und Gäste gemeinsam die Fertigstellung des Turmäußeren. Bis dahin waren rund 100.000 Euro in die Sanierung geflossen.
Nach diesem Etappenziel richtet sich der Blick nun auf die Inneneinrichtung. Unter anderem sollen die bereits begonnenen Arbeiten an der Vertäfelung fortgeführt werden. Der Freundeskreis möchte einen Raum schaffen, in dem Besucher gemütlich zusammensitzen und sich bei einem Getränk austauschen können. So soll der Bismarckturm als Denkmal und Aussichtspunkt erhalten bleiben und zugleich wieder stärker zu einem geselligen Treffpunkt werden. Weitere Spenden helfen dabei, auch diesen Teil des Vorhabens umzusetzen. Über Öffnungen und Veranstaltungen informiert der Freundeskreis Bismarckturm auf seiner Internetseite.
